Wirtschaft

BW-Wahl: CDU knapp vorn, AfD im Aufwind, Merz unter Druck

Eine Woche vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 zeichnet sich ein enges Rennen zwischen CDU und Grünen ab — während die AfD ihr Ergebnis von 2021 nahezu verdoppeln könnte und der Ausgang als erste Bewährungsprobe für Kanzler Friedrich Merz gilt.

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Redakcia
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BW-Wahl: CDU knapp vorn, AfD im Aufwind, Merz unter Druck

Eine Woche vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026 zeichnet sich ein enges Rennen ab, das weit über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung hat. Die CDU liegt in aktuellen Umfragen knapp voran — doch der Vorsprung schmilzt, die Grünen holen rasant auf, und die AfD drängt als erstarkende dritte Kraft ins Rampenlicht.

Umfragen: Kopf-an-Kopf-Rennen kurz vor dem Wahltag

Das jüngste ZDF-Politbarometer Extra vom 27. Februar sieht die CDU bei 27 Prozent, die Grünen bei 25 Prozent und die AfD bei 19 Prozent. Noch enger ist das Bild laut Infratest dimap vom 26. Februar: CDU 28 Prozent, Grüne 27 Prozent — ein Unterschied innerhalb der Fehlertoleranz. Die SPD liegt abgeschlagen bei 9 Prozent, FDP und Linke kommen je auf 6 Prozent. Rund ein Drittel der Wählerinnen und Wähler ist laut ZDF noch unentschieden — der Ausgang bleibt damit vollkommen offen.

Zum Vergleich: Bei der Wahl 2021 hatten die Grünen mit 30,2 Prozent noch klar vor der CDU (24,1 Prozent) gelegen. Sollte die CDU am Wahltag tatsächlich vorn liegen, wäre das eine historische Kehrtwende nach 15 Jahren grüner Dominanz im Südwesten.

Hagel gegen Özdemir: Ein ungleiches Duell

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel, Landesvorsitzender seit 2023, tritt erstmals bei einer Landtagswahl als Spitzenkandidat an. Sein erklärtes Ziel: die CDU nach 15 Jahren Oppositionsbank zurück in die Stuttgarter Staatskanzlei zu führen. Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), der das Land seit 2011 regiert, tritt nicht mehr an.

Für die Grünen kämpft der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir — und genießt überraschend starken Rückhalt in der Bevölkerung. 47 Prozent der Befragten wünschen sich laut ZDF-Politbarometer Özdemir als nächsten Ministerpräsidenten, nur 25 Prozent votieren für Hagel. Dieses deutliche Missverhältnis stellt die CDU vor ein strukturelles Problem: Die Partei führt in der Sonntagsfrage, ihr Kandidat aber klar nicht.

Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis

Die AfD liegt konstant bei 19 bis 20 Prozent — was einer nahezu vollständigen Verdoppelung ihres Ergebnisses von 2021 (9,7 Prozent) entspräche. Spitzenkandidat Markus Frohnmaier tritt als Ministerpräsidentschaftskandidat auf, obwohl keine andere Partei eine Koalition mit der AfD anstrebt. Das eigentliche Ziel ist ein anderes: Stärke demonstrieren, Druck auf Berlin ausüben. Im Mittelpunkt des AfD-Wahlprogramms stehen scharfe Migrationsforderungen und Kritik an der Energiepolitik des Bundes.

Bewährungsprobe für Kanzler Merz

Die Wahl in Baden-Württemberg gilt parteiübergreifend als erste große Bewährungsprobe für Bundeskanzler Friedrich Merz nach seinem Amtsantritt. Ein CDU-geführter Regierungswechsel in Stuttgart wäre ein symbolisch bedeutsamer Sieg — und würde Merz politisch den Rücken stärken, während er gleichzeitig geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Herausforderungen bewältigen muss. Ein starkes AfD-Ergebnis hingegen würde den Druck von rechts auf die neue Bundesregierung spürbar verschärfen. Die Signalwirkung für Berlin ist enorm: Baden-Württemberg, eines der wirtschaftsstärksten Bundesländer, gilt als politisches Barometer für die Stimmungslage in der deutschen Mitte.

Koalition: Schwarz-Grün als einzige realistische Option

Rechnerisch bliebe nach aktuellem Stand nur eine Koalition aus CDU und Grünen als tragfähige Mehrheit. 45 Prozent der Befragten beurteilen eine solche schwarz-grüne Landesregierung positiv, so das ZDF-Politbarometer. Wer dabei den Ministerpräsidenten stellt — Hagel oder Özdemir — hängt von den genauen Stimmanteilen und dem Verlauf der Koalitionsverhandlungen ab. Am 8. März wird sich zeigen, ob Baden-Württemberg tatsächlich den politischen Wind dreht oder ob das Ländle auch diesmal seinen eigenen Weg geht.

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