Wirtschaft

BW-Wahl: Hagel gegen Özdemir im Kopf-an-Kopf-Rennen

Rund 8,5 Millionen Wahlberechtigte in Baden-Württemberg entscheiden am 8. März 2026 über den neuen Landtag — ein enger Zweikampf zwischen CDU und Grünen, der zugleich als erster Stimmungstest für Kanzler Friedrich Merz gilt.

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Redakcia
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BW-Wahl: Hagel gegen Özdemir im Kopf-an-Kopf-Rennen

Ein historischer Wahlgang im Südwesten

Baden-Württemberg wählt. An diesem Sonntag, dem 8. März 2026, sind rund 8,5 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, den 18. Landtag des Bundeslandes zu wählen. Der Urnengang ist in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich: Erstmals tritt Amtsinhaber Winfried Kretschmann nach 15 Jahren als Ministerpräsident nicht mehr an — und erstmals gilt ein neues Wahlrecht mit einer Zweitstimme für Landeslisten sowie einem Wahlalter ab 16 Jahren.

Spannendes Duell: Hagel gegen Özdemir

Die letzten Umfragen zeichnen ein äußerst knappes Bild. Laut dem ZDF-Politbarometer Extra liegen CDU und Grüne mit je 28 Prozent gleichauf. Andere Institute wie INSA sahen zuletzt die CDU unter Spitzenkandidat Manuel Hagel bei 27 Prozent und die Grünen mit Cem Özdemir bei 24 Prozent. Die AfD folgt auf dem dritten Platz mit rund 18 bis 20 Prozent, dahinter die SPD mit etwa neun Prozent sowie FDP und Linke, die um den Einzug in den Landtag bangen.

Bemerkenswert ist der Unterschied zwischen Partei- und Persönlichkeitswerten: Bei der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsidenten liegt Cem Özdemir mit 47 Prozent weit vor CDU-Kandidat Manuel Hagel mit 24 Prozent. Özdemir gilt vielen Beobachtern als idealer Nachfolger Kretschmanns — volksverbunden, pragmatisch und überparteilich anschlussfähig.

Kretschmanns Erbe und die Koalitionsfrage

Mit dem Abgang von Kretschmann endet eine politische Ära. Der langjährige Ministerpräsident führte seit 2011 ununterbrochen die Landesregierung — zunächst in einer grün-roten, dann über viele Jahre in einer grün-schwarzen Koalition. Diese sogenannte „Kiwi-Koalition" dürfte nach aktuellem Stand fortgesetzt werden, da für andere Mehrheitsverhältnisse die Zahlen fehlen. Entscheidend ist jedoch, welche der beiden großen Parteien den Regierungschef stellt.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) weist darauf hin, dass die Wahl auch wegen des neuen Wahlrechts schwer vorherzusagen ist: Durch die Einführung einer Zweitstimme könnten Wählerinnen und Wähler erstmals gezielt zwischen Direktkandidat und Parteiliste unterscheiden — mit potenziell erheblichen Auswirkungen auf die Sitzverteilung.

Stimmungstest für Kanzler Merz

Bundesweit richtet sich der Blick auf Stuttgart, denn die Wahl gilt als erster großer Stimmungstest für die neue schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Dieser räumte selbst ein, das Rennen werde „knapper, als wir gedacht haben". Ein starkes Abschneiden der Grünen würde die Oppositionsdynamik in Berlin befeuern und die Bundesregierung unter Druck setzen — auch mit Blick auf die Zusammensetzung des Bundesrats.

Politikwissenschaftler betonen, dass ein Sieg der Grünen in Baden-Württemberg symbolisch enorm wäre: Es wäre das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die Union in ihrem traditionellen Stammland den Ministerpräsidenten an eine andere Partei abgeben müsste.

Ergebnis am Abend erwartet

Die Wahllokale schließen um 18:00 Uhr. Erste Hochrechnungen und das vorläufige amtliche Ergebnis werden für den späten Sonntagabend erwartet. Deutschland schaut gespannt in den Südwesten — auf ein Ergebnis, das nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Berlin die Weichen neu stellen könnte.

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