Wirtschaft

FCAS: Macron widersetzt sich Berliner Zögerlichkeit

Der französische Präsident verteidigt das deutsch-französisch-spanische Kampfflugzeugprogramm (FCAS) angesichts der Zweifel von Kanzler Merz, der erwägt, dem rivalisierenden GCAP-Projekt mit Japan, Großbritannien und Italien beizutreten.

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Redakcia
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FCAS: Macron widersetzt sich Berliner Zögerlichkeit

Ein Programm am Rande des Scheiterns

Das Future Combat Air System (FCAS), Eckpfeiler der deutsch-französisch-spanischen Verteidigungskooperation, durchlebt seine schlimmste Krise seit seinem Start im Jahr 2017. Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Zukunft des Programms in einem am 18. Februar 2026 ausgestrahlten Interview offen in Frage gestellt und erklärt, Deutschland benötige nicht unbedingt das gleiche Kampfflugzeug wie Frankreich. Eine in Paris als regelrechte diplomatische Ohrfeige wahrgenommene Aussage.

Macron geht in die Offensive

Angesichts dieser offen zur Schau gestellten Zweifel hat Emmanuel Macron seine Unterstützung für FCAS mit Nachdruck bekräftigt. „Wir Europäer haben ein Interesse daran, zu standardisieren, zu vereinfachen und daher ein gemeinsames Modell zu haben“, erklärte der französische Präsident. Der Élysée-Palast bezeichnete es als „unverständlich“, dass die Differenzen nicht überwunden werden könnten, wo Europa doch angesichts der aktuellen geostrategischen Herausforderungen seine „Einheit und Leistungsfähigkeit“ unter Beweis stellen müsse.

Für Paris ist FCAS nicht nur ein Industrieprojekt: Es ist ein Symbol der europäischen strategischen Autonomie. Mit der Aufgabe des Programms würde Deutschland die gemeinsame Verteidigungsarchitektur schwächen, die der französische Präsident seit Jahren aufzubauen versucht, insbesondere in einem Kontext, in dem Washington Europa dazu drängt, mehr für seine eigene Sicherheit zu sorgen.

Berlin schielt auf GCAP

Im Zentrum der französischen Besorgnis steht das rivalisierende Projekt GCAP (Global Combat Air Programme), das gemeinsam von Japan, Großbritannien und Italien entwickelt wird. Seit Anfang Februar 2026 gibt es hartnäckige Gerüchte über Gespräche zwischen Berlin und Rom über einen möglichen Beitritt Deutschlands zu diesem Programm für einen Kampfjet der sechsten Generation. Italien hat offiziell seine Offenheit signalisiert, Deutschland in GCAP aufzunehmen – eine Einladung, die Paris mit grösster Aufmerksamkeit verfolgt.

Die Kluft beruht auch auf grundlegend unterschiedlichen militärischen Bedürfnissen. Frankreich fordert ein Flugzeug, das Atomwaffen transportieren und von einem Flugzeugträger aus operieren kann – Fähigkeiten, die Deutschland ohne Seeluftstreitkräfte und ohne Atomwaffenarsenal nicht integrieren muss. Friedrich Merz hat es deutlich gesagt: Paris und Berlin seien sich „nicht einig über die Spezifikationen und Profile“ des zukünftigen Kampfjets.

Airbus gegen Dassault: Ein anhaltender industrieller Konflikt

Über die politischen Spannungen hinaus leidet das Programm unter einer tiefgreifenden industriellen Blockade zwischen seinen beiden Hauptakteuren: Airbus, das die deutschen und spanischen Interessen vertritt, und Dassault Aviation, dem französischen Projektleiter. Der Streit dreht sich um den Technologietransfer, die Rechte an geistigem Eigentum und die Führung des Programms. Dassault weigert sich, über Jahrzehnte entwickeltes Know-how preiszugeben, da das Unternehmen einen regelrechten „industriellen Ausverkauf“ zum Vorteil seiner europäischen Konkurrenten befürchtet.

Der CEO von Airbus, Guillaume Faury, hat kürzlich die Tür zu einer Lösung mit zwei verschiedenen Flugzeugen einen Spalt breit geöffnet: Wenn die Regierungen dies verlangen, wäre Airbus bereit, zwei parallele Kampfflugzeuge zu entwickeln. Eine solche Option würde das Konzept eines gemeinsamen Programms zu Grabe tragen und das Ende einer auf über 100 Milliarden Euro geschätzten Kooperation bedeuten. Ende Dezember 2025 hatten die drei Regierungen die Unterzeichnung der Industrieverträge bereits auf unbestimmte Zeit verschoben.

Europäische strategische Autonomie steht auf dem Spiel

Die FCAS-Krise kommt zu einem besonders heiklen Zeitpunkt für die europäische Verteidigung. Während die Vereinigten Staaten zunehmend Druck auf ihre NATO-Verbündeten ausüben, damit diese mehr für ihre eigene Sicherheit sorgen, fällt es der Europäischen Union schwer, sich auf ihre großen Rüstungsprogramme zu einigen. Ein Bruch zwischen Paris und Berlin über FCAS würde ein verheerendes Signal für die Glaubwürdigkeit der strategischen Autonomie des Kontinents senden. Für Frankreich, Belgien und die gesamte Frankophonie geht es um mehr als nur um die Milliarden, um die es geht: Es geht um die Fähigkeit Europas, seinen eigenen Verteidigungskurs zu bestimmen, in einer Zeit, in der sich die globalen Kräfteverhältnisse rasant verändern.

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