Wirtschaft

Fico reist nach Kiew: Gespräche über die Druschba-Pipeline

Der slowakische Premierminister Robert Fico hat eine Einladung von Wolodymyr Selenskyj angenommen und wird Kiew am 6. oder 9. März besuchen, um über die Wiederaufnahme des Transits von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline zu verhandeln. Der Streit eskaliert: Die Slowakei hat die Notstromlieferungen an die Ukraine eingestellt und blockiert zusammen mit Ungarn das 20. EU-Sanktionspaket.

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Redakcia
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Fico reist nach Kiew: Gespräche über die Druschba-Pipeline

Der slowakische Premierminister Robert Fico hat bestätigt, dass er eine Einladung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angenommen hat und Kiew – entweder am 6. oder 9. März 2026 – besuchen wird. Auf dem Tisch liegt ein einziger Tagesordnungspunkt: die Wiederaufnahme des Transits von russischem Öl durch das ukrainische Rohrleitungsnetz Druschba, das Raffinerien in der Slowakei und Ungarn versorgt. Für Fico wäre es die erste Reise in die ukrainische Hauptstadt seit Beginn der russischen Invasion.

Ausfall seit Januar

Der Ölfluss durch die Druschba-Pipeline durch die Ukraine in die Slowakei und nach Ungarn ist seit Ende Januar 2026 unterbrochen. Kiew behauptet, die Ursache sei ein russischer Angriff auf die ukrainische Pipeline-Infrastruktur gewesen und bezeichnet die gesamte Situation als höhere Gewalt. Fico widerspricht dieser Auslegung – nach seinen Worten bestätigt der slowakische Geheimdienst, dass die Pipeline funktionsfähig ist und Kiew den Transit absichtlich blockiert. Der Premierminister wies auch auf die Möglichkeit einer vorsätzlichen Beschädigung der Infrastruktur hin und verglich die Bedrohung mit den Explosionen der Nord Stream-Gaspipelines. Ukrainische Vertreter haben unterdessen den Termin für die Wiederaufnahme der Lieferungen wiederholt verschoben – zuletzt auf den 4. März.

Strom als Druckmittel

Bratislava hat zu Gegenmaßnahmen gegriffen. Nach einem Ultimatum von Fico hat die Slowakei am 23. Februar die Notstromlieferungen an die Ukraine eingestellt. „Wir werden euch helfen, wenn wieder Öl zu uns fließt", ließ der Premierminister Kiew wissen. Analysten weisen darauf hin, dass nur die Reserven für Notfälle eingestellt wurden, nicht die regulären kommerziellen Flüsse – Strom fließt weiterhin zwischen den Ländern. Dennoch ist die symbolische Bedeutung des Schrittes beträchtlich: Im Jahr 2025 deckte die Slowakei rund 21 % der gesamten Stromimporte der Ukraine ab und war damit nach Ungarn der zweitgrößte Lieferant.

Sanktionen und Kredit in Gefahr

Der Streit hat schnell die bilaterale Ebene überschritten und die europäische Ebene erreicht. Die Slowakei und Ungarn haben gemeinsam das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland blockiert, das Brüssel symbolisch zum vierten Jahrestag der russischen Invasion verabschieden wollte. Ungarn hält außerdem eine Vorauszahlung eines europäischen Kredits in Höhe von 90 Milliarden Euro für Kiew zurück, bis der Öltransit wieder aufgenommen wird. Fico und der ungarische Premierminister Viktor Orbán haben die Einrichtung einer gemeinsamen Experteninspektionskommission unter der Schirmherrschaft der EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission vorgeschlagen, die den tatsächlichen Zustand der Pipeline direkt vor Ort beurteilen soll. Selenskyj hat einer Inspektion bisher nicht zugestimmt.

Bedingungen für das Treffen

Selenskyjs Büro bot Fico zwei konkrete Termine – den 6. oder 9. März – direkt in der ukrainischen Hauptstadt an. Fico hatte ursprünglich ein Treffen auf dem Gebiet eines EU-Mitgliedstaates bevorzugt; Selenskyj lehnte dies mit dem Argument ab, dass die Druschba-Pipeline in der Ukraine liegt und Verhandlungen außerhalb ihrer Grenzen unangemessen wären. Kiew hat damit deutlich gemacht, dass Verhandlungen über die ukrainische Infrastruktur auf ukrainischem Boden stattfinden müssen.

Reaktionen im Inland

Ficos Politik in der Frage der Pipeline stößt im Inland auf scharfe Kritik. Der Vorsitzende der oppositionellen Progressiven Slowakei, Michal Šimečka, bezeichnete die Einstellung der Notstromübertragung als einen Schritt, der „an Landesverrat grenzen würde". Die Regierung weist diese Vorwürfe zurück und Fico besteht darauf, dass er legitime slowakische Wirtschaftsinteressen im Einklang mit den geltenden EU-Vereinbarungen verteidigt, die der Slowakei eine Ausnahme von den Sanktionen gegen russisches Öl garantieren, das durch Pipelines geliefert wird.

Was für die Slowakei auf dem Spiel steht

Die Druschba-Pipeline versorgt die Raffinerie Slovnaft – ein Schlüsselelement der slowakischen Energiewirtschaft. Jeder Ausfall des Transits verteuert alternative Importe und spiegelt sich direkt in den Preisen für Kraftstoffe an den slowakischen Tankstellen wider. Die Abhängigkeit des Landes von diesem Korridor macht es zu einem der wirtschaftlich anfälligsten Teilnehmer an dem Streit, in dem sich Energiesicherheit, Geopolitik und europäische Solidarität ständig überschneiden.

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