Netflix vs. Paramount: Der 77-Milliarden-Dollar-Kampf um Warner Bros.
Hollywoods größter Konsolidierungskampf seit Jahrzehnten eskaliert: Paramount Skydance hat sein Übernahmeangebot für Warner Bros. Discovery auf 31 Dollar pro Aktie erhöht und fordert damit direkt das 72-Milliarden-Dollar-Angebot von Netflix heraus. Der Vorstand des Medienriesen muss seine Optionen vor der Aktionärsabstimmung am 20. März überdenken.
Ein Hollywood-Bieterkrieg der Superlative
Der Kampf um Warner Bros. Discovery – Heimat von HBO, CNN und dem DC-Universum – ist in eine neue und unvorhersehbare Phase eingetreten. Paramount Skydance hat sein Übernahmeangebot am 23. Februar auf 31 Dollar pro Aktie erhöht, was den traditionsreichen Medienkonzern mit rund 77 Milliarden Dollar bewertet und das bestehende 72-Milliarden-Dollar-Abkommen mit Netflix direkt herausfordert. Der Vorstand von Warner Bros. Discovery reagierte umgehend und erklärte, das überarbeitete Angebot von Paramount „vernünftigerweise zu einem besseren Vorschlag führen könnte“ – ein deutliches Signal, dass der Deal mit Netflix vom Januar möglicherweise nicht das letzte Wort ist.
Zwei sehr unterschiedliche Visionen
Die konkurrierenden Angebote unterscheiden sich nicht nur im Preis, sondern auch im Umfang. Netflix, das am 20. Januar eine endgültige Vereinbarung mit WBD getroffen hat, strebt lediglich das Studio- und Streaming-Geschäft an – einschließlich HBO, HBO Max und der Filmbibliothek – zu 27,75 Dollar pro Aktie oder etwa 72 Milliarden Dollar Eigenkapital. Die Kabelnachrichten- und Unterhaltungsnetzwerke von WBD, darunter CNN und Discovery, würden zurückgelassen.
Paramount Skydance hingegen will das gesamte Unternehmen. Sein überarbeitetes Angebot von 31 Dollar pro Aktie umfasst alle Vermögenswerte von Warner Bros. Discovery, von den Filmstudios bis zu den Kabelnetzwerken. Das Angebot beinhaltet auch eine 7 Milliarden Dollar schwere Gebühr für den Fall des Scheiterns der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden – ein erheblicher Puffer gegen das Kartellrisiko – und eine „Ticking Fee“ von 650 Millionen Dollar, die an die Aktionäre zu zahlen ist, sollte der Deal scheitern.
Analysten mehrerer Brokerhäuser haben angemerkt, dass ein Gegenangebot von Netflix in Höhe von etwa 34 Dollar pro Aktie den Bieterkrieg wahrscheinlich beenden würde. Netflix hat vier Werktage Zeit, seine Bedingungen zu überarbeiten, sobald der Vorstand von WBD das Angebot von Paramount formell als überlegen einstuft.
Kartellrechtlicher Schatten und regulatorische Risiken
Beide Deals stehen unter intensiver Beobachtung durch die Aufsichtsbehörden. Paramount hat diese Woche eine wichtige kartellrechtliche Hürde in den USA genommen, was seine Position stärkt – aber der Weg bleibt lang. Der engere Akquisitionsumfang von Netflix wurde teilweise entwickelt, um die umstrittensten regulatorischen Bedenken hinsichtlich der Medienkonzentration, insbesondere des Besitzes von CNN, zu umgehen. Kritiker beider Deals warnen davor, dass die Konsolidierung von so viel geistigem Eigentum und Vertriebsmacht unter einem einzigen Konzerndach den Wettbewerb und die kreative Vielfalt in der gesamten Branche verringern wird.
Auch politische Dimensionen spielen eine Rolle. Die Verbindungen der Familie Ellison zu Paramount und die Haltung der Trump-Administration zu Medienfusionen fügen einem ohnehin schon komplexen regulatorischen Bild eine unvorhersehbare Variable hinzu.
Wie es weitergeht
Die Aktionäre von Warner Bros. Discovery sollen am 20. März über die aktuelle Netflix-Transaktion abstimmen. Bis dahin muss der Vorstand konkurrierende Zeitpläne der Bieter, rechtliche Verpflichtungen aus der bestehenden Netflix-Vereinbarung und den zunehmenden Druck der Aktionäre, den besten Preis zu erzielen, bewältigen.
Unabhängig davon, welcher Bewerber sich durchsetzt, wird das Ergebnis Hollywood grundlegend verändern. Eine Übernahme durch Netflix würde der weltweit größten Streaming-Plattform eine konkurrenzlose Content-Bibliothek und das direkte Eigentum an Premium-Fernsehen über HBO verschaffen. Ein Paramount-Deal würde einen neuen Unterhaltungsriesen schaffen, der Film, Fernsehen, Streaming und Nachrichten umfasst – und alte Debatten darüber neu entfachen, ob „Too Big to Fail“ auch für die Kulturindustrie gilt.
Vorerst hat der Bieterkrieg den WBD-Investoren einen unerwarteten Geldsegen beschert – und eine neue Erinnerung daran, dass die Streaming-Kriege im Jahr 2026 ebenso sehr in den Chefetagen wie auf den Bildschirmen ausgetragen werden.
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