Orbán blockiert EU-Hilfen für die Ukraine vor Brüssel
Ungarn blockiert unter Verweis auf die Streitigkeiten um die Druschba-Pipeline die 90 Milliarden Euro an EU-Hilfen für die Ukraine sowie das 20. Sanktionspaket. Auf dem EU-Gipfel am 19. und 20. März in Brüssel wird sich entscheiden, ob die EU eine dauerhafte Lösung findet, während Budapest selbst auf einen SAFE-Kredit in Höhe von 16,2 Milliarden Euro wartet.
Der Hintergrund des Vetos: Der Fall der Druschba-Pipeline
Ministerpräsident Viktor Orbán hat vor dem EU-Gipfel am 19. und 20. März in Brüssel eine harte Verhandlungsposition eingenommen: Ungarn blockiert zwei wichtige Unterstützungspakete der Union für die Ukraine. Im Mittelpunkt des Streits steht die aus der Sowjetzeit stammende Druschba-Erdölpipeline, über die russisches Rohöl nach Ungarn und in die Slowakei gelangt.
Der unmittelbare Auslöser war ein russischer Drohnenangriff im Januar 2026, bei dem die Pipeline auf ukrainischem Gebiet beschädigt wurde. Budapest und Bratislava haben seither ein Ultimatum gestellt: Solange Kiew den Transit nicht wiederherstellt, blockieren sie sowohl die 90 Milliarden Euro an EU-Krediten als auch das 20. russlandfeindliche Sanktionspaket.
Milliarden auf den beiden Seiten der Waage
Es steht viel auf dem Spiel. Die EU hatte im vergangenen Dezember ein Kreditprogramm in Höhe von 90 Milliarden Euro genehmigt, das zwei Drittel der Kriegsausgaben der Ukraine in den Jahren 2026–2027 decken soll. Ungarn, Tschechien und die Slowakei traten dem damals unter der Bedingung bei, dass der Kredit für sie keine direkten finanziellen Verpflichtungen mit sich bringt. Nach der Beschädigung der Pipeline ruderte Orbán jedoch zurück.
EU-Diplomaten und ukrainische Beamte warnen: Ohne eine IWF-Auszahlung drohte der Ukraine bis Ende März die Zahlungsunfähigkeit. Brüssel suchte daher nach einem Schlupfloch: Die nördlichen und baltischen Mitgliedstaaten würden Kiew unter Umgehung des Vetos bilaterale Kredite in Höhe von rund 30 Milliarden Euro gewähren. EU-Kommissar Valdis Dombrovskis erklärte bereits am 10. März: „Wie auch immer, wir werden den Kredit sicherstellen."
Das SAFE-Programm: Orbáns Trumpfkarte
Die Brüsseler Verhandlungen werden durch das Security Action for Europe (SAFE)-Verteidigungskreditprogramm zusätzlich verkompliziert. Ungarn hat im Rahmen dieses Programms einen Kredit in Höhe von 16,2–17,4 Milliarden Euro beantragt und wäre damit der drittgrößte Nutznießer der EU. Zahlreiche Abgeordnete des Europäischen Parlaments kritisierten die Entscheidung scharf: „Ungarn erhält 16 Milliarden Euro für seine Verteidigungsindustrie, ohne Auflagen in Bezug auf Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit", sagte die Europaabgeordnete Tineke Strik.
Kritiker vermuten, dass die SAFE-Gelder vor den Parlamentswahlen am 12. April in Ungarn eintreffen könnten, weshalb die Opposition das Paket als „Wahlgeschenk" bezeichnet. Brüssel hat bisher rund 17 Milliarden Euro an EU-Geldern für Ungarn aufgrund von Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit eingefroren – Verteidigungsausgaben sind jedoch von dieser Regel ausgenommen.
Brüssel sucht nach alternativen Lösungen
Die Europäische Kommission hat Kiew formell aufgefordert, die Reparatur der Pipeline zu beschleunigen, und gleichzeitig die kroatische Adria-Pipeline Janaf als alternative Transportroute angeboten. Schätzungen zufolge könnte Janaf jährlich rund 5,75 Millionen Tonnen Öl nach Ungarn und 4,66 Millionen Tonnen in die Slowakei liefern. Budapest und Bratislava beanstanden jedoch die hohen Transitgebühren und haben ein EU-Wettbewerbsverfahren gegen das kroatische Unternehmen eingeleitet. Die Ukraine erklärte, dass die russischen Drohnenangriffe die Reparaturarbeiten kontinuierlich erschwerten.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, dass Ungarn die EU-Unterstützung für die Ukraine nicht mehr allein verhindern könne, wenn die nordisch-baltische Koalition tatsächlich bilaterale Kredite auf den Tisch lege.
Entscheidende Wochen stehen bevor
Der Gipfel am 19. und 20. März wird voraussichtlich entscheiden, ob die EU eine geeinte Front gegenüber der Ukraine zeigt oder ob der Block weiter zerfällt. Orbán Viktors Situation wird durch die bevorstehenden Wahlen weiter verkompliziert: Sollte Fidesz verlieren, würde die neue Regierung voraussichtlich eine flexiblere Haltung gegenüber Kiew einnehmen. Die EU-Diplomaten hoffen vorerst, dass Brüssel Orbán mit der Genehmigung des SAFE-Kredits dazu bewegen kann, den ukrainischen Kredit freizugeben – sollte dies jedoch nicht gelingen, wird die Union mit der Eröffnung des bilateralen Weges wahrscheinlich ohne Ungarn weitermachen.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook