Orbán entsendet Soldaten zu Energieanlagen
Ministerpräsident Viktor Orbán hat Soldaten und Polizisten zu Ungarns kritischer Energieinfrastruktur beordert, nachdem die Ukraine am 27. Januar den Transit durch die Druschba-Pipeline ausgesetzt hatte. Die Krise verschärft sich im Schatten der Parlamentswahlen am 12. April, während Orbán Selenskyj des „Staatsterrorismus“ beschuldigt.
Militärische Bereitschaft an Energieobjekten
Ministerpräsident Viktor Orbán ordnete am 25. Februar an, dass Soldaten und Polizisten Ungarns kritische Energieanlagen schützen und ein Drohnenflugverbot in Gebieten nahe der ukrainischen Grenze verhängt wird. „Ich habe Soldaten und die notwendige Ausrüstung in die Nähe der kritischen Energieinfrastruktur entsandt, um mögliche Angriffe abzuwehren“, sagte Orbán. Der Regierungschef teilte mit, dass Geheimdienstinformationen vorlägen, wonach die Ukraine weitere Schritte zur Störung des ungarischen Energiesystems plane, legte jedoch keine konkreten Beweise vor.
Die „Ölblockade“ und der Vorwurf des Staatsterrorismus
Die Krise brach am 27. Januar aus, als die Ukraine den Transit von russischem Erdöl durch die Druschba-Pipeline aussetzte. Kiew zufolge beschädigte ein russischer Drohnenangriff die Pipeline, und die Reparatur werde Zeit in Anspruch nehmen. Budapest und Bratislava werten die Stilllegung jedoch als politisch motivierte Sabotage und verweisen darauf, dass die technischen Voraussetzungen für einen Neustart gegeben seien.
Orbán beschuldigte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem offenen Brief der Lüge und bezeichnete den Vorfall als „Ölblockade“. Der ungarische Regierungschef ging noch weiter: Er bezeichnete Kiews Politik als „Staatsterrorismus“ und bezog sich dabei auf die Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines im Jahr 2022. Selenskyj bezeichnete das gesamte Narrativ als Wahlkampftaktik.
Brüsseler Vetos und EU-Spannungen
Budapest nutzt den Druschba-Fall auch auf EU-Ebene als Druckmittel: Ungarn hat das EU-Hilfspaket für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro mit einem Veto belegt und die 20. Runde der Sanktionen gegen Russland blockiert. Die Europäische Kommission forderte daraufhin die Ukraine zur raschen Reparatur auf und empfahl die kroatische Adria-Ölpipeline als alternative Versorgungsroute. Die meisten EU-Mitgliedstaaten betrachten Budapests Vorgehen als offene Erpressung.
Ungarisch-slowakische gemeinsame Untersuchungskommission – Kiew verweigert Zutritt
Als Ergebnis der Gespräche zwischen Orbán und Fico haben Ungarn und die Slowakei eine gemeinsame Untersuchungskommission zur Begutachtung des Zustands der Druschba-Pipeline eingesetzt. Die Kommission beantragte eine Vor-Ort-Inspektion in der Ukraine, doch – nach Angaben des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico – erteilte Selenskyj keine Genehmigung für den Zutritt. Auch dem slowakischen Botschafter wurde nicht gestattet, den angeblich beschädigten Abschnitt zu besichtigen.
Wahlhintergrund: Die Fidesz in zunehmend schwacher Position
Die Druschba-Krise entfaltet sich im Schatten der Parlamentswahlen am 12. April, bei denen Orbáns Fidesz-Partei vor einer großen Herausforderung steht. Laut Daten von Bloomberg führt die Tisza-Partei von Péter Magyar derzeit mit einem Vorsprung von 20 Prozentpunkten unter den entschlossenen Wählern – im Januar betrug der Unterschied noch 12 Punkte. Péter Magyar kritisierte Orbáns Kommunikation öffentlich: Seiner Meinung nach schürt der Ministerpräsident Panik und nutzt die Energiekrise für politische Zwecke. Einige Analysten sehen in dem „Ölblockade“-Narrativ teilweise ein Wahlkampfmanöver gegen den Vormarsch der Opposition.
Zusammenfassung
Die Druschba-Krise ist gleichzeitig ein energiepolitischer, diplomatischer und innenpolitischer Kampf. Während Ungarn und die Slowakei die rasche Wiederinbetriebnahme der Pipeline fordern, betont die Ukraine die Notwendigkeit der Durchführung notwendiger Reparaturen. Die EU befindet sich in einem doppelten Dilemma: zwischen Solidarität mit der Ukraine und der Wahrung der Energiestabilität. Wie die Krise ausgeht, könnte auch vom Ausgang der Wahlen am 12. April abhängen.
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