Wirtschaft

Regierungen Tschechiens und der Slowakei nehmen gemeinsame Beratungen wieder auf

Nach fast zwei Jahren trafen sich tschechische und slowakische Minister zu einer gemeinsamen Sitzung auf Schloss Nová Horka in der Region Mährisch-Schlesien. Die Ministerpräsidenten Babiš und Fico unterzeichneten ein Memorandum über eine vertiefte Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Verkehr, Verteidigung und Digitalisierung.

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Redakcia
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Regierungen Tschechiens und der Slowakei nehmen gemeinsame Beratungen wieder auf

Die Regierungen der Tschechischen Republik und der Slowakei trafen sich am Dienstag, den 31. März, zu einer gemeinsamen Sitzung auf Schloss Nová Horka in Studénka in der Region Mährisch-Schlesien. Es ist die erste derartige Beratung seit April 2023, als beide Regierungen zuletzt in Trenčín zusammenkamen. Die Wiederaufnahme des traditionellen Formats gemeinsamer Sitzungen ist das Ergebnis des veränderten politischen Klimas nach dem Amtsantritt von Andrej Babiš als tschechischer Ministerpräsident.

Warum die Beratungen unterbrochen wurden

Die vorherige tschechische Regierung unter der Führung von Petr Fiala von der ODS hatte die gemeinsamen Sitzungen im Jahr 2024 abgesagt. Grund dafür waren unterschiedliche Ansichten in außenpolitischen Fragen, insbesondere die Haltung der Slowakei zum Krieg in der Ukraine und die kontroversen Äußerungen von Ministerpräsident Robert Fico zu diesem Thema. Die Tradition gemeinsamer Beratungen beider Regierungen begann 2012 in Uherské Hradiště und seitdem fanden insgesamt acht solcher Treffen statt.

Memorandum über vertiefte Zusammenarbeit

Das wichtigste Ergebnis des Gipfeltreffens am Dienstag war die Unterzeichnung eines Memorandums über eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen den Regierungen beider Länder. Das Dokument, das die tschechische Regierung noch vor dem eigentlichen Treffen verabschiedet hatte, ebnet den Weg für eine engere Koordinierung in den Bereichen Außenpolitik, Wirtschaft, Verteidigung, Digitalisierung, Tourismus und Sport. Wie der tschechische Vizepremier und Industrieminister Karel Havlíček vor den Beratungen ankündigte, soll das Memorandum konkrete gemeinsame Ziele definieren.

Energie und Gas als Priorität

Eines der Hauptthemen der Beratungen war die Energiesicherheit. Die Tschechische Republik ist für die Slowakei ein wichtiges Transitgebiet für den Transport von Erdgas, was nach der Verabschiedung der REPowerEU-Initiative an Bedeutung gewinnt. Bereits während des Januarsbesuchs von Babiš in Bratislava erklärten beide Seiten, dass Tschechien der Slowakei bei Fragen der Gasversorgung helfen werde. Neben der Energie befassten sich die Minister auch mit der Verkehrsinfrastruktur und der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit beider Volkswirtschaften.

Verteidigung und Krisenzusammenarbeit

Ein wichtiges Kapitel der Beratungen war auch der Bereich Verteidigung und Sicherheit. Die Tschechische Republik beteiligt sich auch im Jahr 2026 weiterhin am Schutz des slowakischen Luftraums und an der multinationalen NATO-Brigade auf slowakischem Gebiet. Die Slowakei half ihrerseits bei der Evakuierung tschechischer Bürger aus Krisengebieten – insgesamt wurden 17 Evakuierungsflüge durchgeführt, mit denen auch 69 tschechische Bürger in Sicherheit gebracht wurden. Im Juli 2025 unterzeichneten die Gesundheitsminister beider Länder eine Rahmenvereinbarung über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Rettungsdienste.

Bilaterale Beratungen der Minister

Das Programm auf Schloss Nová Horka hatte rein Arbeitscharakter. Die Minister beider Regierungen trafen sich auch in sektoralen Formaten mit ihren Ressortpartnern. Die Beratungen begannen um 11:30 Uhr, nach einem Arbeitsmittagessen folgte eine gemeinsame Pressekonferenz der Ministerpräsidenten. Themen der bilateralen Treffen waren unter anderem Umwelt, wirtschaftliche Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe.

Signal für die Zukunft

Die Wiederaufnahme der gemeinsamen Regierungsberatungen ist gleichzeitig ein Signal für eine breitere Entspannung der Beziehungen in der Region. Die Ministerpräsidenten Fico und Babiš kündigten auch ihr Interesse an einer Wiederbelebung des Formats der Visegrád-Gruppe und der Einberufung eines Treffens im Rahmen des Slavkov-Formats mit dem österreichischen Bundeskanzler Christian Stocker an. Die nächste gemeinsame Regierungssitzung soll der Tradition gemäß in der Slowakei stattfinden.

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