Streit um Druschba-Pipeline eskaliert: Slowakei und Ungarn ziehen vor die EU
Die Slowakei und Ungarn haben am 4. März 2026 den Streit um die unterbrochene Druschba-Ölpipeline formell vor die Ölkoordinierungsgruppe der EU gebracht und Kiew beschuldigt, den Ausfall absichtlich zu verlängern. Die EU fordert die Ukraine auf, Inspektoren zuzulassen, während Ungarn den Druck auch durch direkte Gespräche in Moskau erhöht.
Ausfall dauert seit Januar an
Die Lieferungen von russischem Öl über den südlichen Strang der Druschba-Pipeline wurden am 27. Januar 2026 nach einem russischen Drohnenangriff auf Pipeline-Anlagen in der Nähe des Knotens Brody in der Westukraine eingestellt. Kiew bestätigte den Angriff und argumentiert, dass die Reparatur der umfangreichen Schäden Zeit benötige. Die Slowakei und Ungarn, die energieabhängig von dieser Route sind, greifen unterdessen auf strategische Reserven zurück und erhöhen den diplomatischen Druck auf Brüssel.
Streit um den tatsächlichen Zustand der Pipeline
Budapest und Bratislava weisen die ukrainische Darstellung der Ereignisse zurück. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán veröffentlichte Satellitenbilder, die angeblich zeigen, dass die Infrastruktur intakt ist, und bezeichnete die Unterbrechung der Lieferungen als absichtliche „Erpressung“. Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico schloss sich ihm an und behauptete, Selenskyj blockiere sogar die Inspektion der Pipeline. Kiew wies die Einwände zurück und erklärte, die Reparaturen seien umfangreich und die Sicherheitslage in der Region erlaube keinen schnellen Zugang für ausländische Beobachter.
EU fordert Inspektion durch Kiew
Auf der Sitzung der Ölkoordinierungsgruppe der EU am 4. März reichten beide Länder formell eine Beschwerde gegen Kiew ein. Die Financial Times berichtete, dass die Europäische Kommission daraufhin die Ukraine aufforderte, unabhängigen Inspektoren Zugang zu dem beschädigten Pipelineabschnitt zu gewähren. Auch einige Mitgliedstaaten, die ansonsten offen auf der Seite Kiews stehen, begannen, die Forderung nach einer Inspektion zu unterstützen. Die Kommission versicherte gleichzeitig, dass keine unmittelbare Versorgungsgefährdung bestehe, da beide Länder strategische Reserven anzapfen – ein längerer Ausfall würde jedoch ein ernstes Problem für ihre Raffinerien darstellen.
Szijjártó im Kreml: Budapests bilaterales Spiel
Während Bratislava und Budapest Druck auf Brüssel ausübten, reiste der ungarische Außenminister Péter Szijjártó am 4. März nach Moskau, wo er von Präsident Wladimir Putin empfangen wurde. Thema des Gesprächs war die Situation um die Druschba-Pipeline und Garantien für die weitere Versorgung mit billigem russischem Öl. Der Besuch stieß in einigen europäischen Hauptstädten auf Kritik: In einer Zeit, in der die EU nach einer gemeinsamen diplomatischen Lösung sucht, verstärke Budapest die bilateralen Beziehungen zu Moskau.
Was für die Slowakei auf dem Spiel steht
Für die Slowakei hat der Ausfall besonders schwerwiegende Folgen. Die Raffinerie Slovnaft, die einzige slowakische Raffinerie, ist technologisch ausschließlich auf die Verarbeitung von russischem Öl ausgerichtet. Fico drohte mit dem Entzug der Unterstützung für die ukrainische EU-Kandidatur, falls die Lieferungen nicht wieder aufgenommen würden. Ungarn ging noch weiter – Orbán kündigte die Blockade eines EU-Kredits für Kiew in Höhe von 90 Milliarden Euro an und blockierte gleichzeitig das 20. Paket antirussischer Sanktionen der Union.
Brüssel sucht Kompromiss
Die Situation offenbart eine tiefere Kluft innerhalb der EU: Wie lassen sich die Energieinteressen zweier Mitgliedstaaten mit der Notwendigkeit vereinbaren, die kriegführende Ukraine einheitlich zu unterstützen? Kiew besteht auf Reparaturen und lehnt eine Inspektion aus Sicherheitsgründen ab, während die Slowakei und Ungarn den Druck auch durch Drohungen gegen europäische Verpflichtungen gegenüber der Ukraine erhöhen. Brüssel befindet sich in der Rolle eines Vermittlers, dessen Lösung – in Zeiten eines aktiven Konflikts – offen bleibt.
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