Wirtschaft

Veto gegen russisches Öl: Budapest und Bratislava blockieren

Ungarn und die Slowakei haben die Verabschiedung des 20. EU-Sanktionspakets gegen Russland am Donnerstag verhindert, da beide Länder die Sicherstellung des Transits von russischem Erdöl zur Bedingung machen – vor dem Treffen der EU-Außenminister am 23. Februar in Brüssel herrscht erheblicher Druck.

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Redakcia
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Veto gegen russisches Öl: Budapest und Bratislava blockieren

Blockade in letzter Minute in Brüssel

Die Verabschiedung des 20. EU-Sanktionspakets gegen Russland ist am Donnerstag in letzter Minute gescheitert: Ungarn und die Slowakei haben gleichermaßen allgemeine Vorbehalte angemeldet und damit die einstimmige Beschlussfassung der EU-Botschafter verhindert. Beide Länder machen die Genehmigung von der Bedingung abhängig, dass der ungestörte Transit von russischem Erdöl gewährleistet wird. Die Verabschiedung des Sanktionspakets ist unerlässlich vor dem EU-Außenministertreffen am 23. Februar in Brüssel, wo Ungarn harte Verhandlungen zur Wahrung seiner energiepolitischen Interessen führen wird.

Der Hintergrund der Krise: Stilllegung der Druschba-Pipeline

Der Ursprung der Spannungen reicht bis zum 27. Januar zurück, als ein russischer Drohnenangriff den südlichen Zweig der Druschba-Pipeline (Freundschaftspipeline) auf ukrainischem Gebiet beschädigte. Seitdem ist kein russisches Erdöl mehr nach Ungarn und in die Slowakei gelangt – bereits im Januar betrug die Lieferung nur noch 150.000 Barrel pro Tag, unter dem vorherigen Niveau von 200.000 Barrel. Der ukrainische Außenminister dokumentierte den russischen Angriff vom 27. Januar mit Fotos und forderte Budapest auf, seine Beschwerden an Moskau zu richten. Der ungarische Außenminister Péter Szijjártó hingegen behauptet, Kiew verzögere die Reparatur aus politischen Gründen.

Kroatische Alternative: Die Adria-Pipeline

Als Reaktion darauf bat Péter Szijjártó den kroatischen Wirtschaftsminister in einem Brief, den Transit von russischem Erdöl über die JANAF-Adria-Pipeline zu ermöglichen und so die ukrainische Teilstrecke zu umgehen. Kroatien reagierte positiv auf die Anfrage, unter der Bedingung, dass das Verfahren den einschlägigen Sanktionen der EU und der Vereinigten Staaten entspricht. Die MOL Nyrt. erwartet die ersten Lieferungen über den Hafen Omišalj Anfang März, das Erdöl könnte die heimischen Raffinerien in 5–12 Tagen erreichen. Die EU hat unterdessen eine Sondersitzung im Rahmen der Ölkoordinierungsgruppe einberufen und betont, dass kurzfristig keine Gefährdung der Versorgungssicherheit besteht: Beide Länder verfügen über strategische Reserven für 90 Tage.

Was beinhaltet das 20. Sanktionspaket?

Eine der wichtigsten Neuerungen des 20. Sanktionspakets der Europäischen Kommission ist, dass anstelle des bisherigen Preisdeckelungssystems ein umfassendes Verbot von Seeverkehrsdienstleistungen für Schiffe, die russisches Erdöl transportieren, eingeführt wird – einschließlich Reparatur, Versicherung und Betankung. Das Paket setzt 42 weitere Tanker auf die schwarze Liste und sieht erstmals Sanktionen gegen Häfen in Drittländern vor (Indonesien, Georgien). Griechenland, Malta und Zypern – die über große Tankerflotten verfügen – würden das Seeverbot an die vorherige Genehmigung der G7-Staaten knüpfen, was Brüssel jedoch für unwahrscheinlich hält.

Budapests Standpunkt und der Verhandlungseinsatz

Péter Szijjártó hatte sich zuvor klar geäußert:

„Ein Verbot des Kaufs von russischem Erdöl würde Ungarns Energiesicherheit zerstören."
Budapest und Bratislava haben außerdem den Dieselölexport in die Ukraine ausgesetzt, bis die Öllieferungen wiederhergestellt sind – dieser Schritt hat die Spannungen zwischen Kiew und den beiden Mitgliedstaaten weiter verschärft. Der EU-Beschlussfassungsmechanismus sieht Einstimmigkeit in Sanktionsfragen vor, ein einziges Veto reicht also aus, um die Maßnahmen zu verhindern. Diplomatenkreise schließen nicht aus, dass sich die Botschafter auch am Wochenende treffen müssen, um die endgültige Annahmefrist am 24. Februar – dem dritten Jahrestag des russisch-ukrainischen Krieges – einzuhalten.

Fazit

Die Debatte um das 20. Sanktionspaket zeigt anschaulich, welche Bruchlinien die EU bei der Gestaltung einer gemeinsamen Politik gegenüber Russland spalten. Die Energieabhängigkeit Ungarns und der Slowakei in Kombination mit dem Einstimmigkeitserfordernis gibt Budapest und Bratislava eine wirksame Verhandlungswaffe in die Hand – die beide Länder bereit sind, zur Wahrung ihrer eigenen Energiesicherheitsinteressen einzusetzen.

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