Vier Jahre russische Invasion: Prag vergisst nicht
Tausende Tschechen versammelten sich auf dem Altstädter Ring in Prag anlässlich des vierjährigen Jahrestags der russischen Invasion in der Ukraine. Präsident Petr Pavel warnte vor Kriegsmüdigkeit und forderte die Regierung auf, die Unterstützung für Kiew fortzusetzen.
Altstädter Ring füllte sich mit Tausenden von Menschen
Vier Jahre nach Beginn der umfassenden russischen Invasion in der Ukraine gedachte die Tschechische Republik mit einer Reihe von Gedenk- und Kulturveranstaltungen. Die zentrale Kundgebung „Gemeinsam für die Ukraine!“ fand am Samstag, den 22. Februar 2026, auf dem Altstädter Ring in Prag statt. Schätzungen der Polizei zufolge nahmen bis zu 8.000 Menschen daran teil, um vor dem offiziellen Jahrestag am 24. Februar ihre Solidarität mit dem angegriffenen Land auszudrücken.
Ein Demonstrationszug mit einer großen ukrainischen Flagge startete am Nationalmuseum und zog zum Altstädter Ring, wo dann das Hauptprogramm stattfand. Organisatoren der Aktion waren führende tschechische Bürgervereinigungen – Paměť národa (Gedächtnis der Nation), Člověk v tísni (Mensch in Not), Milion chvilek pro demokracii (Eine Million Augenblicke für die Demokratie), Díky, že můžem (Danke, dass wir können) und der Europäische Kongress der Ukrainer.
Pavel: Kriegsmüdigkeit ist Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft
Hauptredner war Staatspräsident Petr Pavel, der die Veranstaltung eröffnete. Er wies Argumente zurück, wonach Kriegsmüdigkeit eine verständliche Reaktion sei: „Wenn jemand sagt, dass ihn der Krieg ermüdet, nimmt er eine Haltung der Gleichgültigkeit gegenüber der Sicherheit unserer eigenen Zukunft ein.“ Er betonte, dass der Charakter eines möglichen Friedensabkommens die Sicherheit ganz Europas langfristig prägen werde, und forderte die Regierung auf, die Unterstützung für Kiew bis zum Erreichen eines gerechten Friedens fortzusetzen.
Pavel würdigte auch den Beitrag ukrainischer Flüchtlinge zur tschechischen Wirtschaft und wies die Behauptung zurück, dass sie eine Belastung seien. Er unterstützte die Fortsetzung der von Tschechien geführten Munitionsinitiative, die der Ukraine in vier Jahren rund 4,4 Millionen schwere Artilleriegeschosse geliefert hat.
Der ukrainische Botschafter Vasyl Zvaryč dankte den Tschechen für ihre Hilfe und erinnerte daran, dass die Verteidigung der Ukraine das Völkerrecht schützt, von dem auch kleine Staaten wie die Tschechische Republik profitieren.
Gefallene Freiwillige und Zeugenaussagen von der Front
Ein bewegender Moment der Kundgebung waren die Reden von Familien tschechischer Freiwilliger, die in der Ukraine gefallen sind. Die Mutter eines der Gefallenen, Ivana Krejčová, sagte: „Wir tragen Himmel und Hölle in uns, und es liegt an uns, in welche Richtung wir unsere Taten lenken.“ Die polnische Filmregisseurin Agnieszka Holland warnte in einer Videobotschaft vor der Wiederholung historischer Fehler und forderte die internationale Gemeinschaft auf, keine neuen „Münchner Abkommen“ zuzulassen. Auf der Bühne trat auch der Olympiasieger und Eishockeytorwart Dominik Hašek auf.
Nach dem Programm setzte sich der Demonstrationszug zum Denkmal des ukrainischen Dichters Taras Schewtschenko in Smíchov fort.
Tschechische Unterstützung für Kiew hält an
In den vier Kriegsjahren hat die Tschechische Republik der Ukraine militärische Hilfe in Höhe von insgesamt 17,4 Milliarden Kronen geleistet. Gleichzeitig verlängerte die Regierung das umfassende Unterstützungsprogramm für die Ukraine um weitere fünf Jahre – von 2026 bis 2030 – mit einem jährlichen Beitrag von über 40 Millionen Euro. Der neue Verteidigungsminister Jaromír Zuna bestätigte die Fortsetzung der Munitionsinitiative auch in diesem Jahr.
KinoWar 2026 und Drohnen in den Straßen
Das Jubiläum wird auch von einem Kulturprogramm begleitet. Das Benefiz-Filmfestival KinoWar 2026 findet vom 23. bis 27. Februar in fünf Prager Kinos statt und zeigt eine Auswahl zeitgenössischer ukrainischer Dokumentarfilme. Der Erlös aus dem Ticketverkauf geht an die Ukraine-Hilfe. Das Festival bietet auch Debatten mit Dokumentarfilmern, Historikern und Journalisten.
Die Initiative Dárek pro Putina (Geschenk für Putin) hat in 17 tschechischen Städten lebensgroße Nachbildungen russischer Shahed-Drohnen aufgestellt, um der Öffentlichkeit die tatsächlichen Ausmaße und die zerstörerische Kraft der gegen ukrainische Städte eingesetzten Waffen zu verdeutlichen. Die Repliken sind beispielsweise auf dem Kinský-Platz in Prag oder auf dem Freiheitsplatz in Brünn zu sehen.
Das Bekenntnis zur Solidarität bleibt bestehen
Die Tschechische Republik ist vier Jahre nach Beginn der Invasion weiterhin einer der wichtigsten europäischen Unterstützer der Ukraine. Trotz innenpolitischen Drucks zur Reduzierung der Auslandsausgaben machen Präsident Pavel und die Zivilgesellschaft deutlich, dass die Solidarität mit dem angegriffenen Land gleichzeitig eine Investition in die Sicherheit der Tschechischen Republik selbst ist.
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