Dukovany 5 und 6: Tschechien beantragt Genehmigung für Doppelblock in Brüssel
Die Europäische Kommission hat eine formelle Untersuchung der tschechischen Beihilfeanmeldung für den Bau von zwei neuen Kernreaktorblöcken in Dukovany im Gesamtwert von 407 Milliarden Kronen eingeleitet. Es handelt sich um das bisher größte Energieprojekt in der Geschichte der Tschechischen Republik.
Ein Präzedenzfall: Zwei Blöcke auf einmal
Die Tschechische Republik hat im Energiesektor einen historischen Schritt unternommen. Die Regierung von Andrej Babiš hat die Europäische Kommission um Genehmigung für die Finanzierung von zwei neuen Kernreaktorblöcken im Kernkraftwerk Dukovany – und zwar gleichzeitig – gebeten. Während der fünfte Block (Dukovany 5) von der Kommission bereits im April 2024 vorläufig genehmigt wurde, hat die Notifizierung für den sechsten Block das Projekt in eine völlig neue Dimension gehoben. Der Gesamtwert des Auftrags beläuft sich auf 407 Milliarden Kronen.
Am 22. Dezember 2025 gab die Europäische Kommission die Einleitung eines förmlichen Prüfverfahrens bekannt. Ziel ist es, zu überprüfen, ob die vorgeschlagene tschechische staatliche Beihilfe mit den EU-Wettbewerbsregeln vereinbar ist. Das Verfahren kann bis zu achtzehn Monate dauern, eine Entscheidung wird daher frühestens Mitte 2027 erwartet.
Koreaner am Steuer des größten Projekts in der Geschichte der Tschechischen Republik
Der Bau beider Blöcke wird von dem südkoreanischen Unternehmen Korea Hydro & Nuclear Power (KHNP) durchgeführt, das die Ausschreibung gewonnen und den Vertrag am 4. Juni 2025 unterzeichnet hat – nachdem das Oberste Verwaltungsgericht eine einstweilige Verfügung des französischen Konkurrenten EDF aufgehoben hatte. KHNP betreibt 24 Reaktoren in Südkorea und deckt über 31 % des dortigen Stromverbrauchs.
Die neuen Blöcke werden vom Typ APR1000 mit einer Leistung von je 1.200 MW sein. Zusammen mit den bestehenden vier Blöcken (insgesamt 2.040 MW) wird die Leistung des Kraftwerks somit 4.400 MW übersteigen – mehr als das Doppelte der derzeitigen Kapazität. Der Baubeginn ist für 2029 geplant, der erste Reaktor soll 2036 den Probebetrieb aufnehmen, der zweite im Jahr 2037.
Wie der Staat das Projekt finanzieren wird
Die tschechische Unterstützung besteht aus drei Maßnahmen. Das wichtigste Instrument ist ein zinsgünstiges staatliches Darlehen in Höhe von schätzungsweise 23 bis 30 Milliarden Euro, das die Baukosten decken soll. Hinzu kommt ein vierzigjähriger Differenzvertrag, der stabile Einnahmen für den Betreiber gewährleistet, und schließlich ein Schutzmechanismus, der den Investor vor möglichen negativen Gesetzesänderungen schützt.
Das Projekt wird von der Gesellschaft Elektrárna Dukovany II (EDU II) realisiert, die zu 80 % im Besitz des tschechischen Staates und zu 20 % im Besitz der ČEZ-Gruppe ist. Für den Staatshaushalt 2026 sind vorbereitende Ausgaben in Höhe von 18,3 Milliarden Kronen vorgesehen. Die tschechische Industrie soll bis zu 60 % der Zulieferungen erhalten, das Projekt umfasst auch eine umfassende Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur in Mähren.
Energiesicherheit als Hauptargument
Die Regierung von Andrej Babiš präsentiert die nukleare Expansion als Rückgrat der Energiesicherheit. Tschechien schließt gleichzeitig Kohlekraftwerke und versucht, die Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Die neuen Reaktoren sollen eine stabile und emissionsfreie Stromerzeugung für Haushalte und Industrie gewährleisten, und zwar in einer Zeit, in der erneuerbare Energien allein nicht ausreichen, um die Grundlast des Netzes zu decken.
Die Kommission räumt zwar die strategische Bedeutung des Projekts ein, äußert aber Bedenken hinsichtlich der Risikoverteilung und der Anreizmechanismen für ein effizientes Verhalten des Beihilfeempfängers. Der Industrieminister bezeichnete die Einleitung der Untersuchung als „Standardverfahren", das bei allen geplanten Nuklearprojekten in der EU stattfindet, und betonte, dass das Projekt nicht gefährdet sei.
Wenn die Kommission die Beihilfe genehmigt, wird sich die Tschechische Republik zu den ersten EU-Staaten zählen, die mehrere Kernreaktorblöcke parallel bauen – und sich auf den Weg zur Energieunabhängigkeit begeben, deren Ergebnisse die nächsten Generationen spüren werden.
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