Fico knüpft EU-Beitritt der Ukraine an Wiederherstellung der Druschba-Pipeline
Der slowakische Premierminister Robert Fico droht mit der Blockade der europäischen Perspektive der Ukraine, sollte der Transit von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline nicht wieder aufgenommen werden. Der Streit mit Kiew und die Spannungen mit Berlin nehmen vor dem EU-Gipfel im März an Intensität zu.
Zündstoff: Drohne und Pipeline
Die Krise begann am 27. Januar 2026, als ein russischer Drohnenangriff die Ölinfrastruktur in der Nähe der ukrainischen Pumpstation Brody beschädigte. Seit diesem Datum fließt kein Öl mehr über den südlichen Zweig der Druschba-Pipeline in die Slowakei oder nach Ungarn. Die Ukraine argumentiert, dass die Schäden erheblich seien und die Reparaturen unter den Bedingungen des laufenden Konflikts mindestens sechs Wochen dauern würden – und nur nach einem Waffenstillstand möglich wären. Bratislava und Budapest hingegen behaupten, die Pipeline sei technisch funktionsfähig und Kiew nutze sie politisch aus.
EU-Beitritt der Ukraine: Neue Verhandlungskarte
Premierminister Robert Fico hat den diplomatischen Druck auf Brüssel und Kiew eskaliert, indem er die Unterstützung für die europäischen Ambitionen der Ukraine an die Wiederaufnahme der Öllieferungen knüpfte. Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters und des Portals Euronews behält sich die Slowakei das Recht vor, den Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union nicht zu unterstützen, wenn der Transit von russischem Öl durch die Druschba-Pipeline nicht wieder aufgenommen wird. Fico kündigte außerdem an, dass die Slowakei nach Ungarn „das Zepter übernehmen“ und das EU-Kreditpaket für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro blockieren könnte.
Ende Februar stellte Fico Kiew ein Ultimatum: Wenn der Ölfluss bis zum 2. März nicht wiederhergestellt sei, werde die Slowakei die Notstromlieferungen an die Ukraine einstellen. Kiew erfüllte die Bedingungen nicht, und Bratislava unterbrach diese Lieferungen tatsächlich – ein Schritt, der scharfe internationale Kritik hervorrief.
Einigung mit von der Leyen, Streit mit Merz
Am Rande des Weltnuklearforums traf sich Fico mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Beide waren sich einig, dass der Öltransit durch die Ukraine so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden sollte, und die Kommission bot technische und finanzielle Hilfe für die Reparatur der beschädigten Infrastruktur an. Trotz dieses Hoffnungsschimmers für Pragmatismus bleiben die Beziehungen Bratislavas zu Berlin angespannt. Der deutsche Kanzler Friedrich Merz drohte mit der Aussetzung von EU-Fördermitteln für die Slowakei und Ungarn, was Fico entschieden ablehnte – die Slowakei sei kein „kleiner Schüler“ und werde kein Diktat aus dem Ausland akzeptieren. Der Vorsitzende der SNS, Andrej Danko, verglich Merz' Drohungen sogar mit den Praktiken des Dritten Reiches.
Fico fordert gleichzeitig ein Mandat der EU für direkte Verhandlungen mit Russland über die Beendigung des Krieges. „Wenn die Europäische Union ein Mandat zur Schließung eines Friedensabkommens erhielte, würde ich mit beiden Händen dafür stimmen“, erklärte er am 15. März 2026.
Energieabhängigkeit: Langfristige Verwundbarkeit
Die Slowakei gehört zu den energiepolitisch verwundbarsten Ländern der EU. Jährlich flossen fünf bis sechs Millionen Tonnen Öl durch die Druschba-Pipeline, wobei die Raffinerie Slovnaft technologisch auf die Verarbeitung des russischen Typs Urals optimiert ist. Der Reverse-Flow durch die TAL-Pipeline kann nur etwa 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr decken – also etwa ein Viertel des tatsächlichen Bedarfs. Die Europäische Kommission hat inzwischen die Verpflichtung festgelegt, die Einfuhr russischer fossiler Brennstoffe bis Ende 2027 zu beenden. Das Nachbarland Tschechien hat sich im März 2025 durch den Ausbau der TAL-Kapazität von der Druschba-Pipeline getrennt, die Slowakei hat diesen strategischen Schritt jedoch bisher nicht unternommen.
EU-Gipfel als Nagelprobe
Die Frage der Druschba-Pipeline und der slowakisch-ukrainischen Energiekrise wird ein zentrales Thema des Gipfels des Europäischen Rates in Brüssel vom 19. bis 20. März 2026 sein. Von seinen Ergebnissen hängt ab, ob Ficos Drohung gegen die europäische Perspektive der Ukraine nur eine Verhandlungsposition bleibt oder sich in einen konkreten diplomatischen Schritt mit weitreichenden Folgen für die Beziehungen innerhalb der gesamten Union verwandelt.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook