Wirtschaft

Fico stoppt Notstromlieferungen an die Ukraine: Patt geht weiter

Die slowakische Regierung hat am 4. März formell den Vertrag über Notstromlieferungen an die Ukraine gekündigt. Kiew reagierte mit Kritik: Bratislava schieße sich damit ins eigene Bein, da die Ukraine für den Strom ordnungsgemäß bezahlt habe.

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Redakcia
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Fico stoppt Notstromlieferungen an die Ukraine: Patt geht weiter

Formelle Kündigung des Vertrags nach wochenlangen Spannungen

Die slowakische Regierung hat am 4. März 2026 die Kündigung des Vertrags über Notstromlieferungen zwischen dem slowakischen Übertragungsnetzbetreiber SEPS und dem ukrainischen Energieunternehmen Ukrenergo beschlossen. Der Vorschlag wurde von Premierminister Robert Fico als Vergeltungsmaßnahme gegen Kiew im Streit um die Wiederaufnahme des Öltransits durch die Druschba-Pipeline durchgesetzt.

Der Generaldirektor von SEPS, Martin Magáth, versicherte, dass dieser Schritt keine Sanktionen für die Slowakei nach sich ziehen werde. Die regulären kommerziellen Stromlieferungen in die Ukraine werden unterdessen unverändert fortgesetzt – lediglich der Notfallmechanismus wurde ausgesetzt und anschließend formell gekündigt.

„Schuss ins eigene Bein“ – Reaktion aus Kiew

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha und ein unabhängiges Kiewer Nachrichtenportal bezeichneten die Entscheidung Bratislavas als selbstschädigend. Kiew betonte einen entscheidenden Fakt: Die Ukraine bezahlte für den Notstrom – es handelte sich nicht um kostenlose Hilfe. Slowakische Unternehmen verlieren somit garantierte Einnahmen, während die Ukraine den Strom auch anderswo beziehen kann.

Sybiha bezeichnete den Druck aus Bratislava und Budapest als „provokative und unverantwortliche Energieerpressung“ und forderte, Ultimaten sollten an Moskau gerichtet werden, nicht an Kiew. Ukrainische Vertreter bestehen darauf, dass die Druschba-Pipeline durch einen russischen Drohnenangriff am 27. Januar 2026 in der Nähe des Brodsky-Knotens im Gebiet Lwiw beschädigt wurde – und nicht durch Sabotage seitens Kiews.

Druschba: Umstrittene Ursachen, umstrittene Termine

Fico macht jegliche Zugeständnisse von der Wiederaufnahme des Öltransits abhängig. Die Slowakei und Ungarn werfen Kiew eine absichtliche Verzögerung der Reparaturen aus politischen Gründen vor, was Selenskyj zurückweist. Der Präsident erklärte zudem, dass die technische Reparatur der Pipeline etwa sechs Wochen dauern könnte – warnte aber, dass die Reparaturarbeiten unter gefährlichen Bedingungen stattfinden und ukrainische Arbeiter dabei Verletzungen erlitten hätten.

Fico weigert sich, Selenskyj zu treffen, solange die Europäische Kommission die Position Bratislavas nicht unterstützt. Kiew hingegen schlug konkrete Besuchstermine vor – den 6. und 9. März – jedoch ohne Reaktion. Die Europäische Union erwägt unterdessen, die Reparatur der Pipeline selbst zu finanzieren, wie Bloomberg berichtete.

Diplomatisches und energetisches Patt

Der Streit zwischen Bratislava und Kiew verschärft sich somit an mehreren Fronten gleichzeitig. Für die Slowakei hat die Druschba-Pipeline strategische Bedeutung – sie versorgt die Raffinerie Slovnaft in Bratislava, die von russischem Öl abhängig ist. Die Unterbrechung der Lieferungen seit Januar 2026 zwingt die Regierung, Notfallszenarien zu aktivieren, und droht mit steigenden Preisen für Kraftstoffe und andere Güter.

Analysten weisen darauf hin, dass die Kündigung des Notstromvertrags vor allem ein symbolischer Schritt ist – die realen wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Ukraine sind begrenzt. Bratislava sendet damit jedoch ein deutliches Signal der Bereitschaft zur Eskalation des Drucks, falls Kiew der Wiederaufnahme des Transits nicht zustimmt.

Wie geht es weiter?

Das Patt dauert an, bis eine der Parteien ein Zugeständnis macht. Selenskyj bot Verhandlungen direkt in der Ukraine an, Fico beharrt auf seinen Bedingungen. Die EU sucht nach einer Vermittlungslösung – die Finanzierung der Reparaturen an der Druschba aus europäischen Mitteln könnte ein Weg sein, die Situation zu entspannen, ohne dass eine der Parteien ihr Gesicht verliert. Bislang bleibt jedoch offen, ob und wann es zu einem solchen Kompromiss kommt.

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