NASA überarbeitet Artemis-Programm: Mondlandung auf 2028 verschoben
Die NASA hat ihr Artemis-Mondprogramm grundlegend umstrukturiert. Artemis III wird nun als Übungsflug in der Erdumlaufbahn neu konzipiert, während die erste bemannte Mondlandung auf Artemis IV im Jahr 2028 verschoben wird – in bewusster Anlehnung an die schrittweise Vorgehensweise der Apollo-Ära.
Eine wesentliche Kurskorrektur
Die NASA hat eine umfassende Umstrukturierung ihres Artemis-Mondprogramms bekannt gegeben. Eine bemannte Mondlandung wird um mindestens ein Jahr verschoben, und die Missionsreihenfolge wird so umgestaltet, dass sie dem methodischen, schrittweisen Ansatz ähnlicher ist, der während der Apollo-Ära Menschen auf den Mond brachte.
Gemäß dem am Donnerstag angekündigten neuen Plan wird Artemis III – das ursprünglich Astronauten zur Mondoberfläche bringen sollte – stattdessen als orbitaler Testflug in einer niedrigen Erdumlaufbahn dienen. Die erste tatsächliche Landung auf der Mondoberfläche wird erst mit Artemis IV erfolgen, die nun für 2028 geplant ist.
Warum die Neuausrichtung?
NASA-Administrator Jared Isaacman, der von der Trump-Regierung ernannte kommerzielle Astronaut, der die Behörde leiten soll, sprach die Mängel des Programms offen an. "Drei Jahre zwischen den Flügen sind inakzeptabel", sagte er und bezog sich dabei auf die Lücke zwischen dem unbemannten Artemis-I-Flug im November 2022 und dem lange verzögerten bemannten Artemis-II-Vorbeiflug, der nun frühestens im April 2026 stattfinden soll.
Technische Fehler haben die Verzögerungen noch verstärkt. Die Space Launch System (SLS)-Rakete hatte wiederholt Probleme mit der Helium-Druckbeaufschlagung und Wasserstofflecks, was dazu führte, dass die Hardware zur Reparatur in das Vehicle Assembly Building im Kennedy Space Center zurückgebracht werden musste. Ein unabhängiges Aerospace Safety Advisory Panel hatte die NASA bereits aufgefordert, "ihre Ziele für Artemis III angesichts der anspruchsvollen Missionsziele zu überarbeiten", und Bedenken hinsichtlich der Einsatzbereitschaft kommerzieller Mondlandefähren und Mondanzüge der nächsten Generation geäußert.
Der Apollo-Bauplan
Isaacmans neue Architektur spiegelt bewusst die rasche Missionskadenz von Apollo wider. Während des ursprünglichen Wettlaufs zum Mond startete die NASA Missionen im Abstand von nur wenigen Monaten und testete schrittweise Systeme vor der historischen Apollo-11-Landung im Juli 1969. Insgesamt flogen 24 Astronauten zum Mond und 12 betraten zwischen 1969 und 1972 dessen Oberfläche – ein Tempo, das die NASA nun zu erreichen versucht.
Gemäß dem überarbeiteten Fahrplan wird Artemis III (2027) Rendezvous- und Andockmanöver in der Erdumlaufbahn mit kommerziellen Mondlandefähren üben, die von SpaceX und Blue Origin entwickelt wurden. Artemis IV wird dann die eigentliche Landung versuchen. Isaacman strebt eine Kadenz von einem Start alle zehn Monate an und will schließlich eine Mondlandung pro Jahr erreichen. Um dieses Tempo zu ermöglichen, standardisiert die NASA das SLS in seiner aktuellen "Block 1"-Konfiguration – wobei die Zuverlässigkeit Vorrang vor Upgrades hat.
Wettlauf gegen China
Die Umstrukturierung erfolgt vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden geopolitischen Wettbewerbs. Peking hat sich öffentlich dazu verpflichtet, seine eigenen Astronauten vor 2030 auf dem Mond zu landen, was Washington direkt unter Zugzwang setzt, das Programm zu beschleunigen. Jede weitere Verzögerung von Artemis birgt das Risiko, einen symbolischen und strategischen Meilenstein an eine rivalisierende Supermacht abzutreten – eine Aussicht, die US-Beamte wiederholt als inakzeptabel bezeichnet haben.
Der stellvertretende NASA-Administrator Amit Kshatriya bezeichnete die technische Standardisierung als eine Frage der "Systemzuverlässigkeit und der Sicherheit der Besatzung", aber der Wettbewerbskontext überschattet jede Terminierungsentscheidung.
Wie geht es weiter?
Artemis II wird, wenn es im April erfolgreich startet, vier Astronauten auf eine Schleife um den Mond schicken – der erste bemannte Flug in den Weltraum seit Apollo 17 im Dezember 1972. Sein Erfolg ist nicht verhandelbar: Weitere Anomalien könnten sich durch die gesamte umstrukturierte Zeitachse ziehen. Vorerst setzt die NASA darauf, dass die Umwandlung von Artemis III in einen Übungsflug es dem Programm ermöglichen wird, nach vorne zu preschen. Ob sich dieses Wagnis auszahlt, wird das nächste Kapitel der menschlichen Weltraumforschung bestimmen.
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