Wirtschaft

Druzhba lähmt Industrie: Exporteure schlagen Alarm

Der slowakische Exportrat warnt vor gravierenden Schäden für die slowakische Industrie und den Export infolge der Unterbrechung der Lieferungen durch die Druzhba-Pipeline seit Ende Januar 2026. Die Regierung hat den historisch ersten Ölnotstand ausgerufen, und Slovnaft schöpft aus alternativen Quellen – eine Wiederaufnahme der Lieferungen wird frühestens Anfang März erwartet.

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Redakcia
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Druzhba lähmt Industrie: Exporteure schlagen Alarm

Die Lieferungen von russischem Erdöl durch die Druzhba-Pipeline sind seit dem 27. Januar 2026 unterbrochen, nachdem die Pipeline durch Kriegshandlungen in der Ukraine beschädigt wurde. Für die Slowakei, deren einzige Raffinerie Slovnaft seit langem von diesem Rohstoff abhängig ist, stellt dies eine ernste Prüfung dar. Der slowakische Exportrat warnt, dass die anhaltende Unterbrechung nicht nur die Produktion, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit slowakischer Unternehmen auf den internationalen Märkten gefährdet.

Exporteure: Klarer Plan fehlt

Der slowakische Exportrat (RSE) äußerte „ernste Bedenken hinsichtlich der Entwicklung der Erdöllieferungen in die Slowakei“ und wies auf das Fehlen verbindlicher Informationen über das weitere Vorgehen hin. Laut RSE erschwert die derzeitige Unsicherheit die Produktionsplanung, Vertragsverhandlungen und Preisgestaltung – sowohl auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Markt.

Die Exporteure appellieren an das Wirtschaftsministerium, „klare, wirksame und langfristige Maßnahmen“ zu ergreifen, die Preisstabilität und Versorgungssicherheit gewährleisten. „Stabile und verfügbare Lieferungen strategischer Rohstoffe sind eine wesentliche Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Exportleistung der Slowakei“, heißt es in der Stellungnahme des RSE. Die kroatische Route über die Adria-Pipeline sei nur ein vorübergehendes Flickwerk – ihre Kapazitäts- und Infrastrukturbeschränkungen ließen es nicht zu, die langfristige und zuverlässige Lieferung aus der Druzhba zu ersetzen.

Historisch erster Ölnotstand

Die slowakische Regierung reagierte am 18. Februar mit der Ausrufung des Ölnotstands – des historisch ersten in der Geschichte des Landes. Das Kabinett genehmigte die Freigabe von bis zu 250.000 Tonnen Erdöl aus staatlichen Reserven in Form eines Darlehens an Slovnaft. Die Raffinerie verbraucht täglich 7.300 bis 7.500 Tonnen Rohöl und verfügte vor der Ausrufung des Notstands über eigene Reserven für etwa eine halbe Woche.

Die gesamten strategischen Reserven der Slowakei belaufen sich auf 816.000 Tonnen, was einer Deckung von rund 90 Tagen entspricht. Die Leitung von Slovnaft versicherte der Öffentlichkeit, dass kein Mangel an Kraftstoffen auf dem slowakischen Markt drohe – die Raffinerie habe jedoch vorübergehend den Export von Diesel in die Ukraine eingestellt und andere Exportaktivitäten eingeschränkt, um den heimischen Markt zu sichern.

Sieben Tanker unterwegs, Adria als Notlösung

Slovnaft hat sieben Tanker mit Rohöl aus Saudi-Arabien, Libyen, Kasachstan und Norwegen bestellt, die zum kroatischen Hafenterminal in Omišalj unterwegs sind. Die vollständige Befüllung der Adria-Pipeline wird schätzungsweise 20 bis 30 Tage dauern. Der Transport mit Tankern ist zudem deutlich teurer, was sich direkt in den Kraftstoffpreisen und den Produktionskosten der slowakischen Industrie niederschlägt.

EU beruhigt, Brüssel plant Verbot von russischem Öl

Die Europäische Kommission berief am 25. Februar eine Koordinierungsgruppe für Erdöl ein und stellte fest, dass weder die Slowakei noch Ungarn derzeit einer unmittelbaren Gefährdung der Energiesicherheit ausgesetzt sind, da die alternative Route über die Adria weiterhin funktionsfähig ist. Brüssel arbeitet gleichzeitig an einem Vorschlag für ein dauerhaftes Verbot der Einfuhr von russischem Erdöl, der im April 2026 vorgelegt werden soll – was für die Slowakei und Ungarn einen weiteren Druck bedeutet, die Diversifizierung der Lieferungen zu beschleunigen.

Anfang März: Licht am Ende der Pipeline?

Premierminister Robert Fico erklärte, dass die Ukraine die Wiederaufnahme der Lieferungen über Druzhba frühestens Anfang März 2026 bestätigt habe. Kiew bot auch einen alternativen Transit über die Route Odesa–Brody an, doch die Bedingungen dieser Lösung sind noch Gegenstand von Verhandlungen. Schätzungen zufolge können die jährlichen Schäden durch die Unterbrechung der Lieferungen bis zu 500 Millionen Euro betragen. Durch die Druzhba-Pipeline fließen jährlich rund neun Millionen Tonnen russisches Erdöl zu den Raffinerien in beiden Ländern – jeder Tag ohne Lieferungen kostet die slowakische Industrie also Geld. Während Diplomaten verhandeln und Techniker reparieren, warten die Exporteure auf Anfang März in der Hoffnung, dass Druzhba endlich wieder anläuft.

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