Gürtelrose-Impfung führt Alzheimer-Präventionsstudie an
Ein internationales Gremium aus 21 Demenzexperten untersuchte 80 bestehende Medikamente und stufte die Gürtelrose-Impfung als vielversprechendsten Kandidaten zur Vorbeugung von Alzheimer ein, noch vor Viagra und Riluzol.
Eine Auswahlliste von Drei
Ein internationales Gremium aus 21 Demenzspezialisten, das von der University of Exeter einberufen und von der Alzheimer's Society finanziert wurde, hat drei weit verbreitete Medikamente mit unerwartetem Potenzial gegen die Alzheimer-Krankheit identifiziert. Die in Alzheimer's Research & Therapy veröffentlichte Studie untersuchte 80 bestehende Medikamente und stufte die Gürtelrose-Impfung Zostavax als den vielversprechendsten Kandidaten ein – gefolgt von Sildenafil (Viagra) und Riluzol, einem Medikament, das derzeit zur Behandlung der Motoneuron-Krankheit eingesetzt wird.
Warum eine Gürtelrose-Impfung?
Die Ergebnisse überraschten viele in diesem Bereich. Die Herpes-Zoster-Impfung (Gürtelrose) wird seit langem eingesetzt, um einen schmerzhaften Hautausschlag zu verhindern, der durch die Reaktivierung des Windpockenvirus bei älteren Erwachsenen verursacht wird. Aber eine wachsende Zahl von Beweisen deutet darauf hin, dass sie auch vor kognitivem Abbau schützen könnte. Frühere Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Menschen, die die Impfung erhalten, mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 16 % weniger wahrscheinlich an Demenz erkranken. Eine separate Analyse, die in Nature Medicine veröffentlicht wurde, ergab, dass die neuere rekombinante Version des Impfstoffs (Shingrix) mit einer um 17 % längeren diagnosefreien Zeit verbunden war – was etwa 164 zusätzlichen Tagen ohne Demenzdiagnose entspricht.
Die Attraktivität des Impfstoffs ist sowohl praktischer als auch klinischer Natur. Er erfordert maximal zwei Dosen, hat eine jahrzehntelange Sicherheitsbilanz bei älteren Erwachsenen und ist bereits weit verbreitet – was bedeutet, dass jeder schützende Nutzen potenziell Millionen von Menschen relativ schnell erreichen könnte.
Die virale Verbindung zu Alzheimer
Die biologische Begründung wird immer überzeugender. Das Varizella-Zoster-Virus – verantwortlich für Windpocken und Gürtelrose – kann jahrzehntelang in Nervengewebe ruhen, bevor es reaktiviert wird. Die Forschung zeigt, dass solche Reaktivierungen Neuroinflammationen auslösen, den abnormalen Aufbau von Amyloid-Beta- und Tau-Proteinen (Kennzeichen der Alzheimer-Pathologie) fördern und sogar das Herpes-simplex-Virus Typ 1 im Gehirn reaktivieren können. Eine 2025 in Nature veröffentlichte Studie, die sich auf ein großes walisisches Impfprogramm als natürliches Experiment stützte, ergab, dass die Gürtelrose-Impfung die Wahrscheinlichkeit einer neuen Demenzdiagnose über sieben Jahre um etwa ein Fünftel reduzierte.
"Die Reduzierung subklinischer und klinischer Reaktivierungen des Virus kann Reaktivierungen des Herpes-simplex-Virus im Gehirn über neuroinflammatorische Wege reduzieren", stellten die Forscher fest – und verwiesen auf eine Kaskade von Hirnschäden, die durch die Impfung unterbrochen werden könnte.
Viagra und Riluzol ebenfalls im Rennen
Sildenafil (Viagra) belegte den zweiten Platz in der Rangliste des Gremiums. Labor- und Tierstudien deuten darauf hin, dass es Nervenzellen schützt, die zerebrale Durchblutung verbessert und den Tau-Aufbau reduziert. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025, die Daten von über 880.000 Menschen zusammenführte, ergab, dass die Einnahme von Sildenafil mit einer etwa zweifachen Reduktion des Alzheimer-Risikos im Vergleich zur Nicht-Einnahme verbunden war – ein auffälliges Signal, das nach Ansicht der Forscher groß angelegte Studien rechtfertigt. Riluzol zeigte unterdessen kognitive Vorteile in Tiermodellen, obwohl die Beweislage beim Menschen begrenzt bleibt. Fünf weitere Medikamente – darunter Fingolimod und Dasatinib – wurden in die engere Wahl gezogen, erfüllten aber nicht die Prioritätskriterien des Gremiums.
Nächste Schritte: Klinische Studien stehen bevor
Die Professoren Clive Ballard und Anne Corbett, die die Exeter-Studie leiteten, betonten vorsichtig, dass keines dieser Medikamente ohne ärztliche Beratung präventiv eingenommen werden sollte. "Diese Medikamente müssen weiter untersucht werden, bevor wir wissen, ob sie zur Behandlung oder Vorbeugung von Alzheimer eingesetzt werden können", sagte Corbett. Das Team plant nun eine große klinische Studie in Großbritannien mit dem Gürtelrose-Impfstoff unter Verwendung der PROTECT-Plattform – einem Online-Register für die Gesundheit des Gehirns –, um den kausalen Zusammenhang direkt zu testen.
Angesichts von über 55 Millionen Menschen, die weltweit mit Demenz leben, und der noch immer knappen Zahl zugelassener krankheitsmodifizierender Therapien stellt die Aussicht, billige, sichere und bereits zugelassene Medikamente umzuwidmen, eine der pragmatischsten Fronten in der Alzheimer-Forschung dar.
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