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Microsoft: Daten auf Glas halten 10.000 Jahre

Microsoft Research hat in der Fachzeitschrift Nature die Ergebnisse des Projekts Silica veröffentlicht: Daten, die mit einem Femtosekundenlaser in normales Borosilikatglas geschrieben werden, überdauern mehr als 10.000 Jahre. Die Forschungsphase ist abgeschlossen und das Unternehmen erwägt einen kommerziellen Einsatz in Rechenzentren.

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Redakcia
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Microsoft: Daten auf Glas halten 10.000 Jahre

Ewiger Speicher aus Küchenglas

Das Wissenschaftlerteam von Microsoft hat am 19. Februar 2026 in der renommierten Fachzeitschrift Nature die Ergebnisse des langfristigen Projekts Silica veröffentlicht: Es ist ihnen gelungen, über 2 Terabyte Daten in eine dünne Scheibe aus Borosilikatglas zu speichern – dem gleichen Material, aus dem das Küchengeschirr von Pyrex hergestellt wird. Die Haltbarkeit dieses Mediums wird auf mindestens 10.000 Jahre geschätzt. Dies ist ein Durchbruch im Bereich der digitalen Archivierung, die bisher mit der begrenzten Lebensdauer von Festplatten und Magnetbändern zu kämpfen hat.

Wie funktioniert das Schreiben in Glas?

Der Schlüssel zur Technologie sind Femtosekundenlaser – Geräte, die extrem kurze Lichtimpulse erzeugen – mit denen die Forscher mikroskopisch kleine 3D-Punkte, sogenannte Voxel, im Inneren der Glasscheibe erzeugen. Die neue Generation des Projekts Silica bringt eine wesentliche Innovation in Form von sogenannten Phasenvoxeln: Anstelle von zwei Laserimpulsen reicht ein einziger Ausstoß aus, um ein Bit zu kodieren, der die physikalische Struktur des Glases geringfügig verändert und so den Durchgang von Licht durch das Material beeinflusst.

Auf einer Scheibe mit den Abmessungen 120 × 120 mm und einer Dicke von 2 mm konnten 258 Datenschichten mit einer Gesamtkapazität von 2,02 TB geschichtet werden. Die Schreibgeschwindigkeit liegt zwischen 18,4 und 65,9 Megabit pro Sekunde, wobei die Obergrenze frühere Experimente mit teurerem Quarzglas übertrifft. Das Lesen der Daten erfolgt durch maschinelles Lernen, das kleine Unvollkommenheiten in der Struktur des Glases kompensiert.

Warum gerade Borosilikat?

Frühere Iterationen des Projekts Silica setzten auf teures Quarzglas, das nur von einer Handvoll spezialisierter Hersteller erhältlich war. Borosilikat hingegen ist ein industriell massenproduziertes Material – billig, leicht verfügbar und widerstandsfähig gegen Temperaturschwankungen. Der Übergang zu diesem Material senkt die Kosten drastisch und ebnet den Weg für einen wirklich großflächigen kommerziellen Einsatz.

Beschleunigte Alterungstests haben gezeigt, dass die Voxel auch bei Temperaturen um 290 °C stabil bleiben. Unter normalen Raumbedingungen sollten die Daten also mehr als 10.000 Jahre überdauern – im Vergleich zu Magnetbändern, deren Lebensdauer zwischen 10 und 30 Jahren liegt, ist dies ein unvergleichlicher Unterschied.

Das Ende des digitalen Vergessens?

Das Problem der langfristigen digitalen Archivierung ist nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für kulturelle Einrichtungen, wissenschaftliche Institute und das Gesundheitswesen von großer Bedeutung. Archive, Bibliotheken und Museen auf der ganzen Welt – auch in Deutschland – stehen regelmäßig vor der kostspieligen Migration von Daten auf neue Medien, weil die alten veralten oder physisch zerfallen. Die Technologie von Project Silica könnte dieses wiederkehrende Problem ein für alle Mal lösen.

Mögliche Anwendungsbereiche sind die Archivierung von medizinischen Aufzeichnungen, wissenschaftlichen Messungen, Trainingsdaten für künstliche Intelligenz, Filmarchiven oder Finanzunterlagen. Das Glasmedium benötigt zudem keine klimatisierte Umgebung oder ständige Stromversorgung, was die Betriebskosten von Rechenzentren deutlich senkt.

Kommerzieller Einsatz: Wir müssen noch warten

Microsoft hat angekündigt, dass die Forschungsphase des Projekts Silica abgeschlossen ist. Das Unternehmen bleibt jedoch vorsichtig – in einer Pressemitteilung heißt es, dass man „die Erkenntnisse aus dem Projekt prüft und Möglichkeiten zur langfristigen Speicherung digitaler Informationen untersucht". Zu den verbleibenden Herausforderungen gehören die Skalierung der Produktion auf industrielles Niveau, die Senkung der Kosten für Laser-Schreibsysteme und die Entwicklung effizienter Mechanismen zur Suche nach bestimmten Daten aus riesigen Archiven. In den gängigen Serverräumen werden Glasspeicherplatten also in diesem Jahr wahrscheinlich noch nicht Einzug halten – aber die Grundlage für eine Revolution in der Datenarchivierung ist gelegt.

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