NYU-Studie: Mikroplastik in 9 von 10 Prostatatumoren gefunden
Forscher von NYU Langone Health haben Mikroplastik in 90 % der Prostatakrebs-Proben entdeckt. Das Tumorgewebe enthielt durchschnittlich 2,5-mal mehr Plastikpartikel als gesundes Gewebe, was auf einen möglichen Zusammenhang mit der Krebsentstehung hindeutet.
Plastik direkt im Tumor: Erschreckende Zahlen
Wissenschaftler von NYU Langone Health präsentierten am 26. Februar 2026 auf der Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Onkologie (ASCO) eine beunruhigende Entdeckung: Mikroplastik findet sich in 90 Prozent der Prostatatumoren. Die Pilotstudie analysierte Gewebeproben von zehn Männern mit Prostatakrebs und ergab, dass das Krebsgewebe durchschnittlich 2,5-mal mehr Plastikfragmente enthält als das angrenzende gesunde Gewebe – konkret etwa 40 Mikrogramm Plastik pro Gramm Tumorgewebe gegenüber 16 Mikrogramm pro Gramm benignem Gewebe.
Es handelt sich um die erste Bewertung dieser Art im Westen, die die Konzentration von Mikroplastik in malignem und benignem Prostatagewebe direkt vergleicht. Die Forschung wurde vom US-Verteidigungsministerium finanziert.
Was genau die Wissenschaftler fanden
Das Team verwendete zwei unabhängige Analysemethoden – Pyrolyse in Verbindung mit Gaschromatographie und Massenspektrometrie sowie Raman-Mikroskopie. Die Größe der erfassten Kunststoffpartikel reichte von 1,2 bis 40,3 Mikrometern. Zu den am häufigsten identifizierten Kunststoffarten gehörten Nylon-6, Polystyrol und Polyethylen – Materialien, die häufig in Lebensmittelverpackungen, Wasserflaschen, synthetischen Textilien oder medizinischen Geräten vorkommen.
Die Plastikfragmente traten nicht nur in Tumoren auf, sondern auch in 70 Prozent der Proben von benignem Gewebe – was auf eine weit verbreitete Exposition des Organismus gegenüber Mikroplastik hindeutet.
Mechanismus: Entzündung als Brücke zum Karzinom
Die leitende Autorin der Studie, Dr. Stacy Loeb, Urologin an der NYU Grossman School of Medicine, erklärt den wahrscheinlichen Mechanismus: Plastikpartikel können eine chronische Entzündungsreaktion im Prostatagewebe auslösen. Langfristige Entzündungen schädigen Zellen, lösen oxidativen Stress aus und können zu genetischen Mutationen führen, die dem Krebsprozess Tür und Tor öffnen.
„Unsere Pilotstudie liefert wichtige Beweise dafür, dass die Exposition gegenüber Mikroplastik ein Risikofaktor für Prostatakrebs sein kann", sagte Dr. Loeb.
Experten weisen auch auf eine weitere Dimension hin: Mikroplastik ist nicht chemisch inert. Es kann karzinogene Additive – Phthalate, Bisphenole und andere hormonell wirksame Substanzen – an sich binden und in das Gewebe transportieren.
Reaktion der Experten: Ernstes Signal, aber Vorsicht geboten
Dr. Michael Eisenberg von der Stanford University bewertet die Situation als alarmierend: „Wir finden immer mehr Signale für das erschreckende Vorhandensein von Mikro- und Nanoplastik und deren beunruhigende Verbindungen zu Gesundheitsproblemen. Wir brauchen mehr Daten."
Dr. Andrea Viale vom MD Anderson Cancer Center fügt hinzu, dass dieses Problem „wirklich ernsthafte Aufmerksamkeit" verdiene und dass die Gesellschaft Strategien zur Begrenzung der Exposition gegenüber Plastik einführen sollte.
Es ist zu betonen, dass die Studie bisher nur zehn Patienten umfasst und nicht in einer Fachzeitschrift begutachtet wurde. Die Ergebnisse stellen also Pilotbefunde dar, nicht einen endgültigen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Mikroplastik und Prostatakrebs.
Was folgt und was bedeutet das für uns
Das Team der NYU plant, die Forschung auf 30 Patienten auszuweiten und zu untersuchen, ob eine höhere Konzentration von Plastik mit stärkeren Entzündungen und einem aggressiveren Tumortyp korreliert. Ähnliche Ergebnisse deutete auch eine chinesische Studie an, die 2024 in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht wurde, was den neuen Erkenntnissen einen stärkeren Rahmen verleiht.
Für deutsche Männer ist diese Nachricht relevant: Prostatakrebs ist auch hierzulande die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Mikroplastik ist ein fester Bestandteil der modernen Umwelt – wir finden es in Trinkwasser, Meeresfrüchten, verpackten Lebensmitteln und in der Luft. Experten empfehlen, die Verwendung von Plastikverpackungen zu minimieren, Glas- oder Metallbehälter zu bevorzugen und Trinkwasser zu filtern.
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