Polen finanziert Rekord-Verteidigungshaushalt mit Schulden
Polen plant für 2026 Verteidigungsausgaben von fast 5 % des BIP – über 200 Milliarden Złoty, von denen fast 40 % aus der Verschuldung des Fonds zur Unterstützung der Streitkräfte stammen. Ökonomen, die Oberste Kontrollkammer (NIK) und der IWF warnen vor dem Risiko einer Schuldenspirale, und die Staatsverschuldung könnte sich bereits 2027 70 % des BIP nähern.
Historischer Höchststand bei Militärausgaben
Polen geht mit einem Verteidigungshaushalt in das Jahr 2026, der in der Geschichte der Dritten Republik beispiellos ist. Für das Militär sind 200,1 Milliarden Złoty vorgesehen – das entspricht fast 48 Milliarden Euro und fast 4,81 % des BIP. Damit ist Polen führend in der NATO, was den Anteil der Militärausgaben am Bruttoinlandsprodukt betrifft und übertrifft sogar die Vereinigten Staaten. Premierminister Donald Tusk hat das Jahr 2026 zum „Jahr der polnischen Beschleunigung“ erklärt und den Aufbau der stärksten Armee Europas angekündigt. Die Verteidigungsausgaben verschlingen über ein Fünftel des gesamten Staatshaushalts – ein in der polnischen Nachkriegsgeschichte beispielloses Niveau.
Fonds zur Unterstützung der Streitkräfte – Motor und Risiko
Das wichtigste Finanzierungsinstrument ist der Fonds zur Unterstützung der Streitkräfte (FWSZ), der von der Bank Gospodarstwa Krajowego verwaltet wird. Im Jahr 2026 stammen aus diesem Fonds, der durch die Emission von Anleihen und Krediten gespeist wird, ganze 79,5 Milliarden Złoty – fast 40 % der gesamten Verteidigungsausgaben. Das bedeutet, dass fast zwei von fünf Złoty, die für das Militär bestimmt sind, direkt aus Schulden stammen.
Gerade dieser Mechanismus gibt Anlass zu grosser Besorgnis. Die Oberste Kontrollkammer (NIK) warnt, dass der Fonds „fehlerhaft konzipiert“ wurde und anstatt die Modernisierung der Armee zu unterstützen, diese wirksam behindern könnte. Die NIK hat berechnet, dass die Kosten für die Bedienung der Schuldtitel des FWSZ bis 2035 403 Milliarden Złoty übersteigen werden, während die geplanten Einnahmen nur 12 % dieses Betrags decken. Wenn der Schuldendienst aus dem Verteidigungshaushalt finanziert werden muss, drohen Kürzungen bei der Beschaffung von Ausrüstung und Verzögerungen bei der Umsetzung der Einsatzpläne der Streitkräfte.
Staatsverschuldung auf gefährlicher Entwicklung
Die Verteidigungsausgaben sind nur ein Element des wachsenden Defizits. Der Haushalt für 2026 geht von einem Defizit des öffentlichen Sektors in Höhe von 6,5 % des BIP aus. Gemäss der Prognose der Europäischen Kommission wird die Staatsverschuldung von rund 55 % des BIP im Jahr 2024 auf fast 69,2 % im Jahr 2027 steigen. Längerfristig warnt die EK, dass die Schulden ohne Korrekturmassnahmen bis 2036 100 % des BIP übersteigen könnten.
Eine übereinstimmende Einschätzung vertritt der Internationale Währungsfonds. In seinem Bericht zur Article IV-Mission hat der IWF die Bewertung des Risikos der Staatsverschuldung Polens von „niedrig“ auf „mittel“ angehoben und eine kumulierte fiskalische Anpassung in Höhe von 4 % des BIP bis 2030 empfohlen – zwei Prozentpunkte mehr als der von der Regierung angestrebte Pfad.
Experten schlagen Alarm
Das Forum für Bürgerliche Entwicklung (FOR) bewertete den Haushaltsentwurf als gefährlich aufgrund von „übermässigen Ausgaben und einer ausser Kontrolle geratenden Staatsverschuldung“. Ökonomen betonen dabei, dass die Verteidigungsausgaben nicht die einzige Ursache des Problems sind – steigende Sozialleistungen tragen mindestens im gleichen Masse zum Defizit bei. Polen steht daher vor einem schwierigen Dilemma: Wie können die Verteidigungsambitionen aufrechterhalten werden, ohne gleichzeitig die öffentlichen Finanzen in eine Schuldenspirale zu treiben, die die langfristigen wirtschaftlichen Grundlagen des Landes schwächen würde?
Nach 2026: Unvermeidliche Bremsung?
Paradoxerweise gehen selbst die Regierungsprognosen von einer deutlichen Verlangsamung des Anstiegs der Verteidigungsausgaben nach 2026 aus. Experten weisen darauf hin, dass das derzeitige Ausgabenniveau ohne eine grundlegende Steuerreform finanziell nicht aufrechtzuerhalten ist. Die Frage, die sich sowohl Ökonomen als auch Sicherheitsanalysten stellen, lautet: Wird Polen in der Lage sein, militärische Fähigkeiten schnell genug aufzubauen, bevor der Schuldendruck die Regierung zum Rückzug zwingt? Von der Antwort darauf hängt nicht nur die Verfassung der öffentlichen Finanzen ab, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Landes als östliche Säule der NATO.
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