Was ist Gaganyaan: Indiens erster bemannter Raumflug
Gaganyaan ist Indiens ehrgeizige bemannte Raumfahrtmission, die darauf abzielt, drei Astronauten in eine niedrige Erdumlaufbahn zu befördern und sie sicher zurückzubringen. Damit wäre Indien erst die vierte Nation, die unabhängig Menschen ins All schickt.
Eine Mission, benannt nach dem Himmel
Das Wort Gaganyaan stammt aus dem Sanskrit: gagana (Himmel) und yaan (Fahrzeug). Der Name passt. Indiens erstes bemanntes Raumfahrtprogramm zielt darauf ab, eine dreiköpfige Besatzung in eine niedrige Erdumlaufbahn in einer Höhe von 400 Kilometern zu befördern, sie dort drei Tage lang zu halten und sicher nach Hause zu bringen. Wenn dies gelingt, wird Indien einem exklusiven Club beitreten – nur die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und China haben unabhängig voneinander Menschen ins All geschickt.
Wie das Programm begann
Die Wurzeln von Gaganyaan reichen bis ins Jahr 2006 zurück, als die Indian Space Research Organisation (ISRO) unter dem Arbeitstitel „Orbital Vehicle“ erste Studien begann. Das Projekt kam über ein Jahrzehnt lang nur schleppend voran, bevor Premierminister Narendra Modi die Mission am indischen Unabhängigkeitstag, dem 15. August 2018, offiziell ankündigte und ein erstes Ziel für einen bemannten Start im Jahr 2022 festlegte.
Der Zeitplan wurde seither mehrfach überarbeitet – teilweise aufgrund der COVID-19-Pandemie, die die Trainingspläne durcheinanderbrachte –, aber der Ehrgeiz ist ungebrochen. Ein Budget von rund ₹10.000 crore (etwa 1,2 Milliarden US-Dollar) wurde genehmigt, was Gaganyaan zu einem der teuersten und komplexesten Vorhaben der ISRO macht.
Wie das Raumschiff funktioniert
Das Gaganyaan-Raumschiff besteht aus zwei Hauptabschnitten:
- Crew Module (CM): Eine kegelstumpfförmige Kapsel mit doppelwandiger Konstruktion, die die Astronauten beherbergt. Es enthält das Environmental Control and Life Support System (ECLSS), das während der Mission einen erdähnlichen Luftdruck, eine erdähnliche Temperatur und einen erdähnlichen Sauerstoffgehalt aufrechterhält.
- Service Module (SM): Befindet sich unterhalb des CM und enthält die Antriebs-, Energie- und Temperaturregelungssysteme, die das Raumschiff in der Umlaufbahn betriebsbereit halten.
Zusammen bilden diese das Orbital Module, das auf der Human Rated LVM3 startet – einer speziell modifizierten Version der stärksten Rakete der ISRO, der Launch Vehicle Mark III. Die Rakete startet vom Satish Dhawan Space Centre auf der Insel Sriharikota vor der südöstlichen Küste Indiens. Nach Abschluss ihrer Mission trennt sich das Crew-Modul, tritt wieder in die Atmosphäre ein und landet im Golf von Bengalen, wo es von Schiffen der indischen Marine geborgen wird.
Ein ebenso wichtiges Sicherheitsmerkmal ist das Crew Escape System – ein Satz Feststoffmotoren, die das Crew-Modul im Falle eines Notfalls beim Start innerhalb von Millisekunden von der Rakete wegziehen können. Die ISRO hat dieses System im Jahr 2023 erfolgreich getestet.
Der Weg zu einem bemannten Flug
Die ISRO hat eine schrittweise Testkampagne entworfen, bevor sie Menschen in die Luft schickt. Die unbemannte Mission G1 – die Vyommitra, einen halb-humanoiden Roboter, der die Interaktion eines Astronauten mit den Bordsystemen simulieren soll, befördern soll – soll die Lebenserhaltung, die Avionik und die Wiedereintrittssysteme in der Umlaufbahn validieren. Zwei weitere unbemannte Flüge (G2 und G3) sind geplant, um verbleibende technische Lücken zu schließen. Laut Encyclopaedia Britannica ist der erste bemannte Flug nun für 2027 geplant.
Wer wird fliegen?
Vier Offiziere der indischen Luftwaffe wurden als Astronauten für das Programm ausgewählt:
- Group Captain Prasanth Balakrishnan Nair
- Group Captain Ajit Krishnan
- Group Captain Angad Pratap
- Wing Commander Shubhanshu Shukla
Alle vier sind erfahrene Testpiloten. Sie absolvierten zwischen Februar 2020 und März 2021 eine allgemeine Kosmonautenausbildung im russischen Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum und haben seither in Indien eine missionsspezifische Ausbildung fortgesetzt. Wing Commander Shukla soll auch mit einer NASA-Axiom-Mission zur Internationalen Raumstation fliegen, um Indien vor dem Debüt von Gaganyaan zusätzliche Erfahrungen im bemannten Raumflug zu ermöglichen.
Warum es wichtig ist
Über das nationale Prestige hinaus ist Gaganyaan das Fundament für Indiens umfassendere Weltraumambitionen. Die ISRO plant, die Technologie von Gaganyaan zu nutzen, um bis 2035 eine indische Raumstation zu bauen und schließlich eine Mondlandemission zu unterstützen. Wirtschaftlich wird erwartet, dass das Programm die indische Luft- und Raumfahrtindustrie ankurbeln und Tausende von qualifizierten Ingenieurarbeitsplätzen schaffen wird.
Laut Space.com würde die Erreichung eines unabhängigen bemannten Raumflugs auch Indiens Position in internationalen Weltraumpartnerschaften und Verhandlungen über zukünftige Tiefraummissionen stärken. In einer Ära, in der die Raumfahrtindustrie über staatliche Stellen hinaus rasant expandiert, verschafft die nachgewiesene Fähigkeit zum bemannten Start Indien einen Platz an einem Tisch, den es lange Zeit aus der Ferne beobachtet hat.
Bleib auf dem Laufenden!
Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.
Folge uns auf Facebook