Polen senkt Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe auf 8 Prozent: Tusks „CPN“-Paket
Ministerpräsident Donald Tusk hat ein Antikrisenpaket namens „CPN“ angekündigt, das eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 23 % auf 8 % sowie eine Reduzierung der Verbrauchssteuer auf das EU-Mindestmaß umfasst. Die Preise an den Tankstellen sollen um etwa 1,20 Złoty pro Liter sinken.
Regierung reagiert mit Steuermaßnahmen auf Rekordkraftstoffpreise
Ministerpräsident Donald Tusk hat am 26. März 2026 ein Paket außerordentlicher Maßnahmen unter dem Codenamen „CPN – Ceny Paliwa Niżej“ (CPN – Kraftstoffpreise runter) angekündigt, das Autofahrern angesichts der Rekordpreise an den Tankstellen Erleichterung verschaffen soll. Kernelement ist die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Kraftstoffe von 23 % auf 8 % sowie die Reduzierung der Verbrauchssteuer auf Benzin und Diesel auf das von den EU-Vorschriften geforderte Minimum.
Die Entscheidung fiel nach einer außerordentlichen Kabinettssitzung, die als Reaktion auf den rapiden Anstieg der Rohölpreise einberufen wurde. Auslöser dafür sind Militäroperationen der USA und Israels gegen den Iran sowie die Blockade der Straße von Hormus – einer wichtigen Transportroute für rund 20 % der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen.
Was beinhaltet das CPN-Paket?
Neben der Mehrwertsteuersenkung sieht das Paket mehrere ergänzende Mechanismen vor:
- Reduzierung der Verbrauchssteuer – um 29 Groszy pro Liter Benzin und 28 Groszy pro Liter Diesel
- Höchstpreis – ein tägliches Einzelhandelslimit, das vom Energieminister auf der Grundlage der durchschnittlichen Großhandelspreise und der minimalen Betriebskosten festgelegt wird
- Steuer auf Übergewinne (Windfall Tax) – erhoben auf Kraftstoffkonzerne, die von hohen Rohstoffpreisen profitieren
Tusk kündigte an, dass der Gesamteffekt die Preise an den Tankstellen um etwa 1,20 Złoty pro Liter senken sollte. Gleichzeitig schloss der Ministerpräsident die Einführung von Kraftstoffverkaufslimits aus und setzte stattdessen auf Steuermechanismen anstelle von Rationierung.
Rekordpreise und das Ausmaß der Krise
Der Kontext der Entscheidung ist dramatisch. Diesel erreichte in Polen einen Rekordwert von 8,69 Złoty pro Liter und übertraf damit den vorherigen Höchststand aus dem Jahr 2022. Benzin Pb95 kostete durchschnittlich 7,14 Złoty, Pb98 – 7,89 Złoty pro Liter. Energieminister Miłosz Motyka bezeichnete die Situation als „größte Krise auf dem Ölmarkt seit über 50 Jahren“.
Der Preis für Brent-Rohöl überstieg 107 Dollar pro Barrel, und in Verbindung mit dem Dollarkurs von rund 3,70 Złoty befand sich Polen in einer besonders schwierigen Situation – ein Effekt eines „perfekten Preissturms“, der sowohl Haushalte als auch den Transportsektor trifft.
Kosten für den Haushalt und Finanzierungsquellen
Finanzminister Andrzej Domański schätzte die monatlichen Kosten des Pakets auf etwa 1,6 Milliarden Złoty – davon entfallen 900 Millionen Złoty auf die Mehrwertsteuersenkung und 700 Millionen Złoty auf die Reduzierung der Verbrauchssteuer. „Das sind aus Sicht des Haushalts erhebliche Ausgaben“, räumte der Minister ein und verwies jedoch auf die geplante Steuer auf Übergewinne der Kraftstoffkonzerne als Finanzierungsquelle.
Beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren
Die Regierung hat ein beschleunigtes parlamentarisches Verfahren geplant: erste Lesung am Donnerstagabend, zweite und dritte Lesung am Freitagmorgen, Senatssitzung am Freitagnachmittag – mit der erwarteten Unterzeichnung durch den Präsidenten noch am selben Tag. Ziel ist die Umsetzung des Pakets vor Ostern.
Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Entwicklungsministerin Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz warnte, dass Höchstpreise nur kurzfristig wirken und zu Kraftstoffengpässen führen könnten. Die Europäische Kommission signalisiert ihrerseits, dass die Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe auf 8 % im Widerspruch zum EU-Recht stehen könnte – was die Nachhaltigkeit dieser Lösung in Frage stellt.
Polen schließt sich damit einer wachsenden Gruppe von EU-Ländern an, die angesichts der schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten zu außerordentlichen fiskalischen Instrumenten greifen.
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