Slowakei könnte Ölnotstand am Mittwoch beenden
Ministerpräsident Fico kündigte an, dass der Notstand im Ölsektor am 8. April aufgehoben werden könnte, wenn Slovnaft das geliehene Öl an die staatlichen Materialreserven zurückgibt. Die Raffinerie hat bereits 65.000 Tonnen zurückgegeben und plant, die restlichen 40.000 Tonnen nächste Woche zurückzugeben.
Fico kündigt Ende des Notstands an
Ministerpräsident Robert Fico gab am Dienstag, dem 1. April, auf einer Pressekonferenz in der Raffinerie Slovnaft in Bratislava bekannt, dass der Ölnotstand bereits am Mittwoch, dem 8. April, aufgehoben werden könnte. Voraussetzung ist, dass die Raffinerie das geliehene Öl an die staatlichen Materialreserven zurückgibt und die Slowakei wieder ihrer Verpflichtung nachkommt, Reserven für 90 Tage zu halten, wie es die europäische Gesetzgebung vorschreibt.
„Wenn Slovnaft das Öl an die staatlichen Materialreserven zurückgibt, können wir den Ölnotstand aufheben", erklärte Fico in Anwesenheit von Wirtschaftsministerin Denisa Saková.
Zahlen: 250.000 Tonnen geliehenes Öl
Die slowakische Regierung hatte den Ölnotstand im Februar 2026 als Reaktion auf die Unterbrechung der Lieferungen über die Druschba-Pipeline im Januar ausgerufen, nachdem ein russischer Drohnenangriff die Infrastruktur in der Nähe des ukrainischen Brody beschädigt hatte. Die Regierung lieh Slovnaft daraufhin 250.000 Tonnen Öl aus den staatlichen Materialreserven, damit die Raffinerie die Produktion von Kraftstoffen fortsetzen konnte.
Von dieser Menge verbrauchte Slovnaft etwa 105.000 Tonnen. Der Generaldirektor der Raffinerie, Gabriel Szabó, bestätigte, dass bereits 65.000 Tonnen an die staatlichen Reserven zurückgegeben wurden und die restlichen 40.000 Tonnen Anfang nächster Woche zurückgegeben werden sollen. Slovnaft könnte in der zweiten Aprilhälfte wieder die volle Produktionskapazität erreichen.
Alternative Lieferungen über die Adria-Pipeline
Die Druschba-Pipeline ist weiterhin außer Betrieb und die Lieferungen von russischem Öl über die Ukraine wurden nicht wieder aufgenommen. Die Slowakei und Ungarn haben sich daher an die Adria-Pipeline aus Kroatien als Hauptalternative für die Versorgung gewandt. Dieser Schritt ermöglichte es der Raffinerie, den Betrieb schrittweise wieder aufzunehmen, obwohl die Ölpreise seit Beginn der Krise um 60 Prozent und die Gaspreise um 70 Prozent gestiegen sind.
Günstige Kraftstoffe – zu welchem Preis?
Fico betonte auf der Pressekonferenz, dass es der Regierung gelungen sei, einen starken Anstieg der Kraftstoffpreise zu verhindern. Benzin ist in der Slowakei seinen Worten zufolge der fünftgünstigste und Diesel der viertgünstigste in der gesamten Europäischen Union. Die Regierung führte auch doppelte Dieselpreise ein – höhere für Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen. Diese Maßnahme, die die Europäische Kommission als diskriminierend und im Widerspruch zum EU-Recht bezeichnete, bleibt bis zum 17. April in Kraft.
Die Situation hat jedoch auch eine Schattenseite. Die niedrigen regulierten Preise schrecken ausländische Lieferanten ab, was laut der Partei SaS zu Dieselengpässen an einigen Tankstellen führt. An den Tankstellen fehlt normaler Diesel, während Premium-Kraftstoffe erhältlich sind.
Opposition fordert Kontrolle
Die Oppositionsparteien reagierten zurückhaltend auf Ficos Äußerungen. Die KDH fordert eine Überprüfung des Umgangs mit den staatlichen Reserven und weist auf Fragen rund um den Export von Raffinerieprodukten hin. Progresívne Slovensko schlägt eine Überprüfung der Steuererleichterungen für Slovnaft und die Einführung einer Solidaritätssteuer vor. Der tschechische Ministerpräsident Andrej Babiš hat die Slowakei inzwischen aufgefordert, den Notstand zu beenden, da die Beschränkungen auch tschechische Lastwagen betreffen, die in der Slowakei tanken.
Die langfristige Energiesicherheit bleibt eine Schlüsselfrage. Das Öldarlehen gilt bis zum 30. September 2026, aber eine Wiederaufnahme der Lieferungen über Druschba ist nicht in Sicht. Die Slowakei muss die Ölquellen diversifizieren und die Abhängigkeit von einem einzigen Transitkorridor verringern.
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