Kultur

Triumph für tschechischen Dokumentarfilm auf der Berlinale

Der tschechisch-slowakische Dokumentarfilm „If Pigeons Turned to Gold“ von Pepa Lubojacký wurde auf der 76. Berlinale mit dem Caligari Filmpreis und dem Berlinale Documentary Award ausgezeichnet – ein historischer Erfolg für das tschechische und slowakische Kino.

R
Redakcia
Share
Triumph für tschechischen Dokumentarfilm auf der Berlinale

Historischer Meilenstein für das tschechische Kino

Der tschechisch-slowakische Dokumentarfilm If Pigeons Turned to Gold (auf Deutsch etwa: Wenn Tauben zu Gold würden) von Pepa Lubojacký hat auf den 76. Internationalen Filmfestspielen Berlin einen außergewöhnlichen Erfolg erzielt. Der in der Sektion Forum präsentierte Film wurde mit gleich zwei renommierten Preisen ausgezeichnet: dem Caligari Filmpreis, der von einer unabhängigen Jury vergeben wird, und dem Berlinale Documentary Award. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine tschechische oder slowakische Produktion den Caligari Filmpreis gewinnt – einen Preis, der seit 1986 existiert.

Eine Geschichte der Unsichtbaren

Lubojacký verbrachte fünf Jahre damit, seinen Bruder David, der mit Alkoholismus und Obdachlosigkeit kämpft, und zwei seiner Cousins in einer ähnlichen Lebenssituation zu begleiten. Der Film ist ein intimes Zeugnis darüber, wie Menschen am Rande der Gesellschaft für ihre Umgebung unsichtbar werden – und wie die Kunst ihnen eine Stimme und Würde zurückgeben kann.

Bei der Entgegennahme der Auszeichnung sprach Lubojacký über die gesellschaftliche Stigmatisierung von Obdachlosen:

„Wenn man kein Zuhause hat oder mit einer Sucht lebt, wird man für die Gesellschaft unsichtbar. Diese Auszeichnung bedeutet, dass sie im Mittelpunkt stehen, dass sie wichtig sind.“

Zwei Preise aus Berlin

Der Caligari Filmpreis wird seit 1986 von der Bundesvereinigung Kommunale Filmarbeit in Zusammenarbeit mit anderen Kulturorganisationen vergeben. Das Preisgeld von 4.000 Euro wird zwischen den Filmemachern und dem Verleih aufgeteilt, der den Film in die deutschen Kinos bringt. Der Film feierte jedoch einen noch größeren Erfolg: Der Berlinale Documentary Award brachte Lubojacký und den Produzentinnen Klára Mamojková und Wanda Kaprálová ein Preisgeld von 40.000 Euro ein – etwa eine Million Kronen. Der Sieg ebnet zudem automatisch den Weg für eine Nominierung für den Oscar als bester Dokumentarfilm im Jahr 2027.

Die Jury des Berlinale Documentary Award würdigte Lubojackýs „erfindungsreiche Regiestimme“. Die Jury des Caligari Filmpreises hob den selbstreflexiven Ansatz des Films und seine „kinematografischen Methoden“ bei der Bearbeitung des sensiblen Themas Sucht hervor – und das im Bewusstsein der Spannung zwischen dem Schutz verletzlicher Protagonisten und dem Respekt vor ihrer Autonomie.

Innovative Filmsprache

Der Film wurde mit einem Mobiltelefon gedreht und seine visuelle Sprache kombiniert scheinbar unvereinbare Elemente: Textskulpturen, Langzeitbeobachtungen, elektronische Musik und Archivfotos, die mit Hilfe künstlicher Intelligenz wiederbelebt werden. Gerade der Kontrast zwischen authentischen Aufnahmen aus dem Leben der Protagonisten und künstlich erzeugten Bildern erzeugt eine produktive Verfremdung, die die Jury als ein wesentliches Merkmal des Werks bezeichnete. Produziert wurde der Film von CLAW Films in Zusammenarbeit mit guča films und Česká televize; unterstützt wurde er vom Tschechischen Filmfonds, dem Prager Audiovisuellen Fonds, dem Slowakischen Audiovisuellen Fonds und dem europäischen Fonds Eurimages. Die Weltpremiere fand am 13. Februar 2026 im Berliner Kino Zoo Palast statt.

Tschechische Dokumentarfilme im Aufwind

Der Erfolg von If Pigeons Turned to Gold kommt zu einer Zeit, in der das tschechische Dokumentarfilmschaffen einen deutlichen internationalen Aufschwung erlebt. Filme wie Ještě nejsem, kým chci být (Ich bin noch nicht, wer ich sein will) von Klára Tasovská ernteten Anerkennung auf Festivals von Berlin bis Montreal, Válečný zpravodaj (Kriegsberichterstatter) von David Čálek und Benjamin Tuček triumphierte in Warschau. Die Berlinale 2026 bestätigte diesen Trend mit bisher ungekannter Stärke. Der Vertrieb des Siegerfilms in Europa wird derzeit aktiv verhandelt und es besteht eine realistische Chance, dass ihn bald Zuschauer in Kinos auf dem gesamten Kontinent sehen werden.

Dieser Artikel ist auch in anderen Sprachen verfügbar:

Bleib auf dem Laufenden!

Folge uns auf Facebook für die neuesten Nachrichten und Artikel.

Folge uns auf Facebook

Verwandte Artikel